4. September 2016

Lucy Clarke - Das Haus, das in den Wellen verschwand





Autorin: Lucy Clarke
Titel: Das Haus, das in den Wellen verschwand



Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06029-5
Erschienen: 2016
Seiten: 383



Als wir in den Wellen tanzten

Für Lana gibt es nur einen wichtigen Menschen auf der Welt: ihre Freundin Kitty. Als sie beschliessen, gemeinsam eine Weltreise zu machen, und auf der Segeljacht "Blue" anheuern, beginnt eine traumhafte Zeit. Doch bald wird Lana klar, dass jedes der sieben Crewmitglieder ein dunkles Geheimnis hütet und an Bord nichts ist, wie es scheint. Auch Kitty verbirgt etwas vor ihr, und ein Sog des Misstrauens droht, die "Blue" und alles, was Lana liebt, in die Untiefen des Ozeans zu reissen.




Und wieder konnte mich Lucy Clarke restlos begeistern, sofort für eine Geschichte faszinieren und und hat bewiesen, warum sie zu meinen Lieblingsautoren zählt. Und nun sitze ich hier, habe ihren neuen Roman schon so schnell wieder verschlungen und wünschte mir, dass die Geschichte niemals endet.

Der Schreibstil wirkt wie ein Sog, ein Wirbel im Meer, dem man zuschaut und hübsch findet, seinen Windungen nachschaut und erst im Nachhinein begreift, dass man selbst darin gefangen ist, einfach mitgezogen wird. Diese Geschichte spielt hauptsächlich auf dem Meer, auf dem Segelschiff "Blue", die zwischen verschiedenen philippinischen Inseln umherschippert und dort auch Lana und Kitty aufliest. Sie lernen dort Aaron, Denny, Heinrich, Shell und Joseph kennen und jeder von ihnen hat eine interessante Vergangenheit, die uns die Autorin aber erst Stück für Stück aufzeigt. Im Paradies auf Erden nehmen sie die Tage wie sie kommen, schnorcheln, schwimmen, schauen dem Sonnenuntergang zu, erkundet unbewohnte Inseln... bis etwas passiert, was diese herrliche Seifenblase zerspringen lässt. Wem kann man trauen? Wer verschweigt etwas? Die Freundschaft zwischen Kitty und Lana wird schwer auf die Probe gestellt, auch die Beziehungen zu den anderen Crewmitgliedern schwenkt von Sympathie zu Misstrauen und Lana verstrickt sich in diffuse Gedankengänge. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Lana erzählt, mal im Jetzt, mal im Damals, womit der Spannungsbogen immer wieder ausbalanciert wird und immer wenn der Leser etwas mehr erfährt, stellt man sich neue Fragen. Und wenn man diese Fragen beantwortet glaubt, kommen wieder neue Details ans Licht, die eine Handlung auch komplett ins Gegenteil drehen können. Ein Netz aus falschen Interpretationen, Missverständnissen, emotionalen Reaktionen, schnelle oder vergangene Ereignisse mischen die Erzählung immer wieder neu auf und wird am Ende wunderbar aufgeknotet.

Das Einzige, was mich persönlich etwas nervt, ist der Titel des Romanes. Im englischen Original heisst es schlicht "the Blue", also der Namen des Segelschiffes, um das es die ganze Zeit geht. Im deutschen "Haus, das in den Wellen verschwindet" war wohl ein fantasievoller Editor mit seinen Fingern im Spiel. Obwohl ich - besonders nach der Lektüre - den Grund für den Titel glaube zu verstehen und obwohl mir der Titel an sich sogar gefällt, bin ich mit dem Titel für diese Geschichte nicht glücklich, weil ich glaube, dass er nicht ganz passt oder falsche Erwartungen erweckt. Dafür hätte mir der erste Satz auf dem Klappentext auch als Titel sehr zugesagt: Als wir auf den Wellen tanzten. Das Cover hingegen sieht wieder wunderbar aus und neben ihrem Roman "der Sommer, in dem es zu schneien begann" einfach grandios. Beide Bücher weiss mit blauem Muster, entweder Wellen oder Tropfen und das sogar auf dem Buchschnitt. Sammler-Alarm! Mein Buchliebhaberherz schlägt höher!

Die Figuren im Roman habe ich alle ins Herz geschlossen, unabhängig davon, was am Ende für schwarze Kapitel in der einen oder anderen Vergangenheit aufgedeckt werden. Im Verlauf der Geschichte waren mir mal die einen, dann die anderen sympathischer, aber authentisch sind alle, Tiefgang haben alle und ich hätte alle gerne als Freunde, wäre ebenfalls gerne mit ihnen gesegelt (als noch alles gut war zumindest) und hätte mich gerne auf das Abenteuer mit ihnen eingelassen, oder wenigstens nur einen Kaffee mit ihnen getrunken, bevor sie wieder den Anker lichten. Und das ist auch der Grund, warum mir der Roman noch lange in Erinnerung bleiben wird: Weil die Figuren und ihre Schicksale so lebensecht, so zu Anfassen nah sind und mir mehr als gute Unterhaltung gaben, sondern für kurze Zeit auf meinem Arbeitsweg begleiteten und mir so in Erinnerungen bleiben, als wären sie nicht nur fiktive Charakteren.

Ich kann kaum auf das nächste Buch von Lucy Clarke warten! Anscheinend sei ihr vierter Roman schon bei den Editoren... wie lange müssen wir wohl auf die deutsche Version warten? Egal, ich werde es ohne Zögern kaufen!



5 von 5 Lese-Echsen




Image result for lucy clarkeLucy Clarke studierte Literatur an der Universität von Cardiff, bevor sie sich ganz ihrer Karriere als Schriftstellerin widmete. Bereits ihr erster Roman "die Landkarte der Liebe" wurde in zehn Ländern veröffentlicht. Lucy Clarke ist mit einem professionellen Windsurfer verheiratet, mit dem sie ihre Liebe zum Meer und zum Reisen teilt und mittlerweile ein Kind hat. Den Sommer verbringt sie an der Südküste Englands, den Winter in fernen exotischen Ländern.

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