1. September 2016

Yann Martel - die hohen Berge Portugals





Autor: Yann Martel

Titel: die hohen Berge Portugals


Verlag: S. Fischer

ISBN: 978-3-10-002275-2
Erschienen: 2016
Seiten: 412





Lissabon, 1904:

Auf der Suche nach einem jahrhundertealten Schatz aus den afrikanischen Kolonien begibt sich der Museumskurator Tomás auf eine abenteuerliche Expedition in die Hohen Berge Portugals, am Stuer eines der ersten Automobile im Land. Die Reise wird zur Höllenqual für den feinsinnigen jungen Mann: Nicht nur muss er mit dem launischen Gefährt zurechtkommen, das bald seine elegante Erscheinung einbüsst, sondern auch mit so manchem aufdringlichen Dorfbewohner entlang der Strecke. Völlig abgezehrt und schon längst nicht mehr im Zeitplan nähert er sich schliesslich seinem Ziel - bevor seine Reise ein unvorhergesehenes Ende nimmt. Doch das ist erst der Anfang einer unglaublichen Geschichte, die die Hohen Berge Portugals noch Jahrzehnte später umweht wie ein tragischer Zauber.



Hohe Erwartungen meinerseits an die hohen Berge Portugals, weil ich Portugal liebe, weil ich Yann Martels "Schiffbruch mit Tiger" so toll fand und weil seine Geschichten immer aussergewöhnlich sind. Der neue Roman liess mich etwas unschlüssig zurück, was auch die Rezension dazu verzögert.

Eigentlich sind es ja 3 Geschichte, die in 3 Teile ("Heimatlos", "Heimwärts" und "Heimat") gespalten sind. Abgesehen von der Tatsache, dass sie alle früher oder später in den Hohen Bergen Portugals, genauer gesagt in der Ortschaft Tuizelo, passieren, haben sie scheinbar überhaupt nichts gemeinsam. Die Geschichte vom Klappentext ist die erste. Danach folgt eine Geschichte über einen Pathologen, der mit seiner Frau gerne Agatha Christie Romane liest und eines Nachts einen ganz besonderen Fall zu bearbeiten hat. Und zuletzt handelt es sich um einen portugiesischen Auswanderer aus Kanada, der nach Portugal zurückkehrt im hohen Alter...mit einem unerwarteten neuen Freund. Doch Stück für Stück, wenn auch spät, kommen die Geschichten langsam zusammen und man findet Zusammenhänge.  

Ehrlich gesagt, hat mir die letzte Geschichte am besten gefallen, weil sie schlicht die unterhaltsamste und ausgefallenste von allen war. Die erste begann zwar interessant, die langen und detaillierten Beschreibungen über das Automobil wurden aber irgendwann langweilig und konnten mich nur wenig begeistern. Sicherlich steckt viel Recherche-Arbeit dahinter seitens des Autors, doch mich persönlich fasziniert die genaue Technik einfach nicht. Die mittlere Geschichte war besonders vom Schreibstil auffällig, viele Metaphern über das Leben und Gegenstände, den menschlichen Körper und menschliche Beziehungen. Allerdings möchte ich anmerken, dass aufgrund der Detailliebe und beschreibenden Art des Autors, diese Teilgeschichte mit dem Pathologen nichts für schwache Mägen ist.

Der Schreibstil im Allgemeinen war meist sehr ausführlich, oft sogar poetisch, was auch irgendwann mühsam werden kann oder man schlicht etwas Zeit braucht, um in den Lesefluss zu kommen. Hinzu kommen einzelne Abschnitte in Portugiesisch. Bei einzelnen Sätzen wurde dies stets übersetzt oder indirekt erklärt, damit man der Sprache nicht mächtig sein muss. Gegen Ende kam jedoch ein kurzer Abschnitt, ein grösseres Zitat, dass nicht Wort für Wort übersetzt wurde und meiner Meinung zu wenig kommentiert. Da ich Portugiesisch beherrschte, stellte die für mich persönlich kein Problem dar, ist jedoch nicht für jeden leserfreundlich.

Im Grossen und Ganzen genoss ich die genauen Beschreibungen von Landschaften und Begebenheiten, von kuriosen Begegnungen und sehr fantasiereichen Ideen. Und wieder ist Philosophie ein grosses Thema bei Yann Martel. Der Sinn des Lebens, verschiedene Lebensabschnitte, Einflüsse auf andere Lebewesen aufgrund grosser und kleiner Entscheidungen, Religion, Familie... Ich bin mir ziemlich sicher, nach einmaliger Lektüre nicht jede Metapher, jeden philosophischen Gedankengang und jede verborgene Nachricht oder Lebensfrage in diesem Roman verstanden zu haben. Aber so kennt man das ja von diesem Autor...




3,5 von 5 Lese-Echsen




Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. Er studierte Philosophie und wohnt mit seiner Familie in Saskatoon, Kanada.
Schiffbruch mit Tiger war nominiert für den Governor General Award und den Commonwealth Writers Prize und gewann den Booker Prize 2002.
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1 Kommentar:

Britta hat gesagt…

Ich glaube, durch den riesen Erfolg von Schiffbruch mit Tiger hat man einfach unheimliche hohe Ansprüche an die nachfolgenden Romane von Martell gehabt. Die zu erfüllen, ist natürlich schwer... Mir persönlichen haben die Vergleiche mit Agatha Christies Krimis am besten gefallen. Aber das Buch hatte auch für mich seine Länge, gerade, wenn es um das Automobil ging...

LG Britta