12. Oktober 2016

Sebastian Fitzek - Passagier 23




Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Passagier 23


Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-42569-5
Erschienen: 2014
Seiten: 432





Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund zwanzig Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt...

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff "Sultan of the Seas" - niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler. Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der "Sultan" kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestossen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuss auf ein Schiff setzen - und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der "Sultan" verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm...



Fitzek versteht einfach etwas von Spannung. In jedem Kapitel musste ich sofort wissen, was im nächsten passiert und habe den Roman in wenigen Tagen durch gehabt, obwohl sich eine ganz andere Geschichte entwickelte, als ich erst erwartete. Nichts Mysteriöses, keine Geister, aber dennoch so einige Rätsel gibt es auf diesem Kreuzfahrtschiff zu lösen.

Als ich den Klappentext zum ersten Mal las, erwartete - ja erhoffte ich sogar - eine Geistergeschichte oder zumindest etwas teilweise Mysteriöses, Unerklärliches. "Leider" steckt jedoch etwas anderes dahinter, wovon sich auch Fitzek inspirieren liess: Meist sind die verschwundenen Personen, im Schnitt 23 pro Jahr, gestorben. Suizid auf hoher See. Diese traurige Zahl ist keine Erfindung des Autors, sondern etwas für seine Inspiration als er selbst auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs war, was er auch im Roman erläutert. 

Sein Schreibstil konnte mich wieder gleich fesseln und so gewann nicht nur die Geschichte mit jeder Seite an Tempo. Irgendwann kommen so viele Rätsel, komische Ereignisse und verdächtige Personen, verschiedene Blickwinkel, Lügen und Versteckspiele zusammen, dass der Leser ziemlich im Dunkeln tapt bis am Ende alles aufgelöst wird. Auch wenn die Geschichte eine komplett andere Richtung als erwartet eingenommen hat, war ich nicht enttäuscht, wenn auch etwas schockiert. Gleich mehrere böse Machenschaften waren in die Ereignisse verwoben und gekonnt in ein Intrigennetz gespannt, die wie gesagt leider nicht rein fiktiv sind, sondern reale Tatsachen. Falls einige Details dabei unaufgelöst blieben oder Löcher aufweisen, fiel es mir nicht auf, weil es schlicht ein sehr vielfältiges und dichtes Netz an Lügen und Vertuschungen ist. Allerdings beweisst auch dies das Talent des Autors, so viele diverse Schicksale und Leben gekonnt miteinander zu knüpfen.

Was ich jedoch zu den Figuren generell sagen muss: Keine war mir wirklich sympathisch. Ich sorgte mich zwar um das Wohlergehen der ein oder anderen Person, ich fühlte mit einer Protagonistin mit und verstand die Beweggründe eines anderen Protagonisten, doch mich selbst mit jemanden identifizieren konnte ich nicht. Besonders der Hauptcharakter Martin Schwartz ist, wenn ich das so sagen darf, ziemlich gestört und kaputt. Ihm ist egal, ob er heute stirbt oder nicht, ob unter Schmerzen oder nicht. Er ist schlicht davon besessen zu erfahren, was damals mit seiner Frau und seinem Sohn passierte, was mit dem wieder aufgetauchten Mädchen geschehen ist und wie und wieso diese Geschichte scheinbar einen gleichen Nenner haben. Seine Reaktionen fand ich allerdings zu extrem und manchmal unverständlich. Auch der Bösewicht machte für mich nur teilweise Sinn, obwohl ich dessen Motive einsehe. Einige Nebenfiguren waren mir relativ egal, andere empfand ich als Schlüsselpersonen. Am unterhaltsamsten war jedoch mit Abstand die alte Dame, die auf eine ulkige Art einen Sprung in der Schüssel hat.

Unterm Strich hat mir die Spannung, das Kreuzschiff, die Vernetzung so vieler verschiedener Charakteren und Motive sowie der Schreibstil gefallen. Die Protagonisten per se, das Ende bzw. die Auflösung und die traurige Wahrheit bezüglich Passagieren 23 gefielen/gefallen mir hingegen weniger.



4 von 5 Lese-Echsen





Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren undlebt bis heute in seiner Heimatstadt. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.

Fitzeks Werke sind bislang in 18 Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren wird er auch in England und den USA verlegt. Seine Gesamtauflage liegt bei bisher 3,5 Millionen verkauften Bücher. 

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