25. November 2016

Mary Rickert - Sommergeister




Autorin: Mary Rickert
Titel: Sommergeister


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-97409-7
Erschienen: 2016
Seiten: 352





Jeder hat Geheimnisse. Doch dies ist grösser als alle anderen.

Die 15-jährige Bay Singer weiss, was sie im Dorf sagen: Ihre Mutter sei eine Hexe. Sie habe eine dunkle Vergangenheit. Furchtbares sei Jahrzehnte zuvor geschehen, das niemand erfahren dürfe. Bay leidet unter den Gerüchten und will sie nicht glauben. Doch etwas in ihr weiss es besser. Tatsächlich ahnte sie schon immer, dass ihre Mutter ihr etwas verschweigt. Und je weiter sie nachforscht, desto grösser werden die Geheimnisse, auf die sie stösst - warum kann Bay auf einmal Geister sehen? Welchen jahrzehntealten Bund schloss ihre Mutter mit zwei weiteren, mysteriösen Frauen? Und welche Rolle spielt Bay selbst in den Ereignissen, die bis heute nachwirken? 

In einem magischen Sommer treffen alte Feinde und neue Freunde aufeinander. Und Bay entdeckt die unvorstellbare Wahrheit, die das Leben aller für immer bestimmen wird...



Ein paar verrückte Tanten, ein ahnungsloses Mädchen, ein Garten voller Kräuter - oder in diesem Falle Blumen, die in Schuhe gepflanzt wurden - eine brodelnde Gerüchteküche im Dorf und der ein oder andere Todesfall, der noch immer Fragen aufwirft. Und fertig ist die Hexengeschichte. Doch leider ist der Klappentext ziemlich dick aufgetragen, um nicht sogar zu sagen: Spannender als das Buch selbst.

Einfache Zutaten, aber das Süppchen war dann doch ein anderes als erwartet. Obwohl es ziemlich offensichtlich um Hexen geht, wurde dies nie tatsächlich und definitiv behauptet. Vielleicht handelt es sich bei den älteren Damen (Bay's Mutter ist schon eher im Alter einer Grossmutter und adoptierte Bay damals) eher um eine Gruppe verrückter Hühner, Freundinnen seit Kindheit mit einem dunklen Geheimnis. Die Sprache ist jedoch von Geistern, von Todesfällen in der Vergangenheit, die nicht ganz aufgeklärt wurden oder sich eben nicht ganz so ereigneten, wie es protokolliert wurde. 

Nach einer eher schleichenden ersten Hälfte wurde es gegen Ende deutlich besser und spannender. Ich wage jedoch zu behaupten, dass nicht jeder Leser bis dahin durchhält, sondern das Buch gelangweilt und/oder enttäuscht schon früher zur Seite legte. Den hingegen dem Klappentext, ist es nicht die Geschichte, die auch ich erhofft hatte, sondern leider ein gutes Stück weniger magisch, weniger fantasievoll und weniger über Hexen und Hokuspokus. Trotz Geheimnis in der Vergangenheit, trotz Geister, trotz Gerüchteküche und Bays Nachforschungen, was alles wie im Klappentext versprochen auch vorhanden ist, entpuppt es sich als heisse Luft, als Spannungsanheizer, der sein Versprechen nicht halten kann. Wie eine grosse, runde, bunte Seifenblase, die dann klammheimlich verpufft und verschwindet. 

Sehr informativ und interessant fand ich dafür die Erklärungen zu diversen Kräutern und Blumen zu Anfang jedes Kapitels. So steht der Kürbis beispielsweise für die Spirale des Lebens (Die Ernte bringt den Tod, doch aus den Samen wird neues Leben geboren, Seite 7). Der Lavendel wird mit Liebe und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht und schützt angeblich gegen das Böse. Der Mohn hingegen ist "die Blume des Vergessens" und wird mit Schlaf und Tod assoziiert. Das jeweilige Kraut oder Blümchen kommt dann auch im folgenden Kapitel vor oder es geschieht etwas, dass damit symbolisch verbunden ist. Das Ganze gipfelt in einem bunten Abendessen, dem sogenannten Blütenschmaus, bei dem Rosmarinbrötchen, Artischokenherzen, Geissblatt und weitere Gartenschätze kredenzt werden und zu unterhaltsamen Diskursen führt. 

Der Schreibstil verliert sich in allerlei Beschreibungen und wird mit der Zeit etwas ermüdend, auch wenn man sich irgendwann daran gewöhnt. Der Text fliesst zwar, alelrdings hatte ich das Gefühl, die Erzählung kommt nicht mehr auf den Punkt. Schlussendlich werden die Rätsel der Vergangenheit und Gegenwart gelöst, werfen aber teilweise neue Fragen auf oder bleiben verschwommen, mystisch und nicht ganz deutlich, was wiederum enttäuscht. Einige Nebenfiguren versprachen mehr Spannung, mehr Geheimnisse und Details, wirkten als Druckmittel und Anheizer, aber trugen am Ende nur auch zum allgemeinen Chaos von Geschichten und Namen bei. Die Geschichte hätte wirklich Potential, wäre grundsätzlich spannend, doch die Umsetzung bräuchte leider eine rechte Überarbeitung, um das Gesamtbild abzurunden, lesbarer zu gestalten und Feinheiten auszuarbeiten (z.B. Zeitformen: Manchmal wusste ich nicht recht, ob ich nun in der Vergangenheit oder Gegenwart bin).

Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen. Nicht wegen meiner Enttäuschung darüber, dass sich eine andere Geschichte als erwartet entwickelte, sondern weil die Erzählung einen komplett anderen Fokus und anderes Ambiente zeigte, war mich nur gering begeistern konnte. 




2,5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für M. RickertMary Rickert (*1959) studierte am Vermont College of Fine Arts und veröffentlichte zahlreiche hochkarätige Novellen und Erzählungen. Ihr erster Roman, Sommergeister, gewann 2015 den renommierten Locus Award für das beste Debüt. Sie lebt heute in Wisconsin.
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