30. April 2016

Cheryl Strayed - Brave Enough





Autorin: Cheryl Strayed
Titel: Brave Enough


Verlag: Random House
ISBN: 978-3-94690-9
Erschienen: 2015
Seiten: 132






Von der Bestseller-Autorin von "der grosse Trip" (Original: Wild).
Personen auf der ganzen Welt fanden Inspiration in den Worten von Cheryl Strayed, Worte aus ihren Büchern oder Geschichten, die sie in ihrer Kolumne "Dear Sugar" über ihr Leben erzählte. 
In diesem Geschenkbüchlein sammeln sich Zitate über Weisheit und Mut, eine gute Portion Humor, ehrliche und direkte Worte, Motivation und Inspiration.



Ein hübsches kleines Büchlein, das man nicht nur gerne verschenkt, sondern auch gerne selbst behält. Wer "der grosse Trip" von ihr schon liebte, wird diese Zitatsammlung ebenso in ihr/sein Herz schliessen. Aber auch alle anderen, dürfte es sicher gefallen.

Der grüne, stoffige Umschlag mit den goldenen Lettern ist simpel gehalten, aber meiner Meinung sehr hübsch. Die wenigen Seiten und das kleine Format, macht es zu einem perfekten Geschenk. Ebenso simpel sind die Zitate im Buchinnern gehalten: schlicht, schwarz in mal grösserer, mal kleinerer Schrift, je nach Länge des Zitates, aber immer sehr gut lesbar. Die Seiten sind schlicht gehalten, ohne Verzierung oder Bilder, aber was zählt, sind ja die Worte.

Man kann es gut häppchenweise lesen. Dass man täglich ein Zitat liest, als Motivation am Morgen oder positiven Gedanken vor dem Zubettgehen. Man kann es natürlich auch sehr schnell am Stück durchlesen und hat es ziemlich rasant durch. Aber davon würde ich abraten, weil die Zitate zum Nachdenken anregen, dies bei einer schnellen Lektüre aber kaum der Fall ist. Man muss ihre Worte auf sich wirken lassen. Einige bleiben in Erinnerung, andere Zitate sind schnell wieder vergessen, doch das ist sicherlich sehr individuell. Denn jeder von uns ist in einer anderen Situation, beschäftigt sich mit anderen Gedanken, hat andere Ansichten, andere Alltagskämpfe oder -freuden. Und genauso individuell berühren die Zitate den einen mehr, den anderen weniger. Aber auch aus dem gleichen Grund, wird jeder fündig in diesem reichen Schatz an Lebensweisheiten.

Wichtige Anmerkung: Nur in Englisch erhältich (bislang)! 


Das bleibt eine kleine Rezension zu einem kleinen Buch, aber mit sehr grossem, reichen Inhalt, den ich nur wärmstens empfehlen kann! Hätte ich das Buch nicht verschenkt, wäre meines jetzt wohl voller Zettelchen, wo ich mir meine liebsten Zitate markierte. 




5 von 5 Lese-Echsen



Cheryl Strayed, geboren 1968, veröffentliche nach ihrem Studium der Literatur neben einem Roman zahlreiche Beiträge in der New York Times, Washington Post, Vogue und anderen Medien. Ihre regelmässige Internet-Kolumne mit dem Titel Dear Sugar machte sie zur nationalen Berühmtheit. Der grosse Trip (Wild) avancierte zu einem beispiellosen Bestseller in den USA und wurde in über 20 Länder verkauft. 

Cheryl Strayed lebt mit ihrem Mann, dem Filmemacher Brian Lindstrom, und ihren beiden Kindern in Portland, Oregon.

Mehr auf: Cheryl Strayed



22. April 2016

Jessica Sorensen - das Geheimnis von Ella & Micha




Autorin: Jessica Sorensen
Titel: das Geheimnis von Ella & Micha


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-41772-4
Erschienen: 2013
Seiten: 285





Ella liebt Micha und Micha liebt Ella - es könnte so einfach sein. Doch Ella will mit ihrem alten Leben, das es nicht immer gut mit ihr gemeint hat, endlich abschliessen. Sie zieht in eine andere Stadt, beginnt mit dem College und will alles vergessen. Vor allem auch Micha. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los, und ihre Gefühle sind stärker als jede Vernunft...



Eine Liebesgeschichte voller Gefühle, aber ohne Kitsch. Ein New-Adult-Roman, der ohne Klischees funktioniert. Ein Sommer, der alte Funken zwischen Ella und Micha sprühen lässt.

Zuerst war ich skeptisch, weil die Bücher von Jessica Sorensen plötzlich so gehyped wurden und dann meldet sich bei mir immer sehr schnell der Trotz: Ist das Buch wirklich so gut oder reden einfach alle so darüber, weil sie vom Hype-Virus infiziert wurden? Also habe ich erst die Finger davon gelassen, bis ich Teil 1 und 2 zufällig auf einem Mängelexemplartisch entdeckte und dann doch nicht liegen lassen konnte. Und ich habe es nicht bereut, denn die Geschichte ist wirklich etwas Besonderes.

Der Schreibstil ist jung, witzig und lebhaft und hat mich sofort in die Geschichte gezogen. Micha und Ella erzählen abwechselnd aus ihrer Sicht, was ich sehr interessant und passend finde. So gewinnt der Leser nicht nur zwei Eindrücke auf eine Situation, erfährt die unterschiedlichen Gedanken beider in einem gleichen Moment, sondern versteht meiner Meinung auch eher ihre Reaktionen, was sie noch authentischer und lebendiger macht. Allgemein konnte ich mich sehr gut in die Hauptcharakteren einfühlen, obwohl ich nichts Vergleichbares selbst erlebt habe. Denn nicht nur Ella hat eine Vergangenheit, die sie lieber vergessen oder ändern möchte, sondern auch Micha hat mit mit seiner Geschichte zu kämpfen. 

Ella macht sich wegen dem Tod ihrer Mutter furchtbare Vorwürfe und versucht, von ihren Schmerzen wegzurennen, was ihr natürlich nicht gelingt. Micha versucht ihr zu helfen, neben seiner eigenen Probleme, gestaltet sich das aber nicht immer einfach. Was aber sehr einfach zu spüren ist, sind die Funken und Spannungen zwischen Micha und Ella. Das Gefühlskarussell bietet alle möglichen Höhen und Tiefen, von Liebe und Freude zu Wut und Angst, über Hoffnung und Trauer sowie Mut und Unsicherheit. Die ganze bunte Palette ist vertreten und wirkt niemals aufgesetzt.

Einzig das Lippenpiercing von Micha hat mich leicht genervt beziehungsweise das häufige nennen davon. (Die Autorin hat wohl ein Faible dafür?). Denn bei jedem Kuss oder Gefühlsregung scheint Micha sein Piercing einzusaugen oder Ella es lecken, was leider sehr repetitiv war. Ein weiteres Fragezeichen habe ich bezüglich des Titels, denn mir persönlich hätte "Ella & Micha" völlig ausgereicht. Erst wenn man den Roman komplett bis zum Schluss liest, begreift man, wieso es "das Geheimnis von" heisst, obwohl ich es auch dann noch immer unnötig finde. Denn mich hat es auf ein grösseres Geheimnis hoffen lassen, als es am Schluss tatsächlich ist. 

Die Geschichte von Ella & Micha ist unterm Strich nicht nur eine Liebesgeschichte für Jugendliche, sondern eine wunderbare Frühlings- und Sommerlektüre für jedes Alter. Es liest sich sehr leicht, wird nie langweilig und besticht durch sehr reale Charakteren. Ich muss wissen, wie es mit Ella & Micha weitergeht...und mit Ethan und Lila... und Dean und Caroline...und überhaupt - ich möchte mehr davon!




5 von 5 Lese-Echsen




Jessica Sorensen ist eine amerikanische Autorin und hat schon zahlreiche Romane, darunter viele Reihen, in ihrem liebsten Genre geschrieben. Dabei sorgte sie für eine neue New-Adult-Welle, die bis nach Europa schwappt, weswegen ihre Romane auch hier regelmässig auf Bestsellerlisten landen.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.


Mehr auf: Jessica Sorensen



20. April 2016

Nova Weetman - Lily Frost





Autorin: Nova Weetman
Titel: Lily Frost - Fluch aus dem Jenseits


Verlag: Gulliver
ISBN: 978-3-407-74654-2
Erschienen: 2016
Seiten: 235





Düstere Botschaften aus der Vergangenheit …
Lily Frost zieht mit ihrer Familie in ein altes Haus in einer verschrobenen Kleinstadt. Ihr Zimmer auf dem Dachboden ist ihr unheimlich: Immer wieder fällt der Strom aus, die Tür verriegelt sich von selbst und Lily entdeckt Buchstaben, die in die alten Dielen geritzt sind – sie ergeben ihren Namen. Jemand – etwas – scheint mit ihr kommunizieren zu wollen. Ist es Tilly, das Mädchen, das früher hier gelebt hat? Warum traut sich niemand über ihr Verschwinden zu sprechen? Lily gerät auf ihrer Suche nach Antworten in tödliche Gefahr und begreift: Ihr Schicksal ist auf unheilvolle Weise mit Tilly verbunden.


Ein spannender Klappentext, der Lust auf eine Spukgeschichte macht. Spannender Spuk war es dann auch, aber mir persönlich etwas zu wenig.
Man sollte im Hinterkopf behalten, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und somit eine Geistergeschichte für jüngere Leser. Allzu schwer fällt das nicht, denn der Schreibstil ist in einer "jüngeren" Sprache gehalten, womit auch Ausdrücke wie "boah" zu lesen sind. Das finde ich meist Geschmackssache, aber hier hat es gepasst, da es sich auch um Jugendliche handelt. 
Unnötig fand ich jedoch, dass ziemlich viel in die Klischeekiste gegriffen wurde. Zum einen bezüglich Geistern: kalte Luft, unsichtbare Hände, Flüstern, Gegenstände bewegen... aber das ist in den meisten Geistergeschichten so. Zum anderen allerdings auch die Teenager: der hübscheste Junge flirtet scheinbar mit Lily und ist gleichzeitig der Bruder des beliebtesten und schönsten Mädchen an der Schule, die aber eine Zicke ist und es auf Lily abgesehen hat? Allgemein waren mir diese Geschwister und auch Lilys Bruder zu zweidimensional und ganz klar Randfiguren, denn besonders am Ende scheinen sie nicht mehr interessant. 
Bei Lilys Suche nach der Wahrheit über Tily fühlte ich mich manchmal an die TV-Serie "Ghost Whisperer" erinnert, die ich auch sehr gerne mag. Lily erfuhr unerklärliche Dinge und ging der Sache auf den Grund. Als sie über Tily erfährt, versucht sie immer noch mehr darüber zu erfahren, bis sie sie gefunden hatte. Solche Auflösungen oder Rätsel über Geister unterhalten mich immer sehr gut und ich liebe solche Geschichten. Lily Frost ist dabei keine Ausnahme, doch hat mir der Fluch aus dem Jenseits vom Klappentext gefehlt. Das Problem dieses Romanes ist wahrscheinlich, dass er zu viel verspricht als er halten kann.
Allgemein ist das Ende eigentlich die Enttäuschung des Buches. Die Geschichte liest sich gut, mal mit mehr, mal weniger Spannung, aber dennoch sehr unterhaltsam. Der Schluss kommt allerdings ziemlich schnell und lässt viele Fragen offen. Mich hätte sehr interessiert, wie es Tily ergangen ist und wieso und wie das passieren konnte. Stattdessen bekommt der Leser nur das fertige Resultat aufgetischt. Auch danach lässt die Geschichte vieles unbeantwortet. Andeutungen, die zuvor die Spannung ausmachten, wurden einfach fallen gelassen: Was hatten beispielsweise die Geschwister mit Tily zu tun? Da muss doch mehr dahinter stecken. Auch die Eltern von Tily kamen mir zu kurz.
Unterm Strich fand ich das Buch sehr nett, es liest sich fliessend und ist nicht langweilig. Allerdings hätte man viel mehr aus der Geschichte rausholen können, weiterschreiben oder die Figuren und Details vertiefen. Somit ist das, was vorhanden ist nicht schlecht, nein ich mochte es sehr gerne lesen. Aber man sieht auch das Potential, woraus aber leider zu wenig gemacht wurde...

An dieser Stelle auch ein grosses und liebes Dankeschön an das Team von wasliestdu.de für das von ihnen zur Verfügung gestellte Freiexemplar! Ich freute mich riesig, gewonnen zu haben und auch die gemeinsame Leserunde gefiel mir sehr.



3,5 von 5 Lese-Echsen



Nova Weetman hat Drehbücher für Kinderserien wie "H2O" geschrieben. Für den Kurzfilm "Ripples and Mr. Wasinski's Song" wurde sie für den "Bst Short Film Award" des internationalen Filmfestivals von Melbourne nominiert. Ausserdem erhielt sie ein Stipendium von HarperCollins und den "FAW Award" für das beste, unveröffentlichte Manuskript. 

Nova Weetman lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Australien. "Lily Frost" ist ihr erstes Jugendbuch.
Mehr auf: Nova Weetman

12. April 2016

John Boyne - Der Junge mit dem Herz aus Holz




Autor: John Boyne

Titel: Der Junge mit dem Herz aus Holz


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-85477-6
Erschienen: 2010
Seiten: 234



Von einem, der auszog, den Mut zu finden

Noah läuft von zu Hause fort, bevor die Sonne aufgeht, bevor die Hunde erwachen, bevor der Tau aufhört, die Wiesen zu benetzen. Ein einsamer Pfad führt ihn zu einem Spielzeugladen, in dem sich Türen und Treppen verschieben und die hölzernen Marionetten an den Wänden lebendig wirken. Hier trifft Noah den alten Spielzeugmacher, der ihm von seinem Leben erzählt: davon, wie er als schnellster Läufer um die Welt rannte und dabei das Versprechen vergass, das er einst dem Menschen gab, den er am meisten liebte. Und da rührt sich etwas in Noahs Herz...



Einfach zauberhaft, poetisch und lieb, obwohl es eigentlich einen traurigen Kern enthält. Wie ein reifer Pfirsisch: Von aussen süss, doch innen mit einem Stein...oder einem Herzen aus Holz.

Es ist nicht mein erstes Buch von John Boyne und wird wahrscheinlich auch nicht das letzte bleiben, denn sein Schreibstil ist wunderbar und entführt mit sanfter Erzählstimme in reale und fantastische Welten. Auch bei diesem Buch nimmt er die Leser mit auf eine Reise, eine Reise ins Unbekannte, in eine reale Welt, die jedoch viele Fantasien beflügelt und voller Magie steckt. Türen und Uhren mit Namen, die sich bewegen. Ein sprechender Dackel und Esel, der stets hungrig ist. Ein Spielzeugmacher, dessen Spielzeuge mehr Leben haben als man vermutet. Doch die beste Geschichte ist die des Spielzeugmachers selbst.

Ohne spoilern zu wollen, kann ich nicht mehr sagen als folgendes: So herrlich die Abenteuer des Spielzeugmachers klingen, so mutig Noah in die grosse Welt aufbricht, so traurig ist der Hintergrund für ihre Begegnung. Denn beide liefen von etwas davon. Und das regt auch den Leser zum Nachdenken an: Vor was laufen wir davon? Und können wir überhaupt davon weglaufen? Ich denke nicht, auch wenn wir das manchmal gerne würden.

Der Roman scheint zuerst eine Kindergeschichte zu sein, ein Märchen mit Pointe, schliesslich handelt es sich um sprechende Tiere, ein Treffen eines Kindes mit einem erfahrenen Erwachsenen, der vor Lebensgeschichten sprüht und eine Wendung gegen Schluss, die eine moralische Frage beantwortet oder zumindest eine Lösung des "Problems" aufzeigt. Ich garantiere aber, dass es sich nicht nur um ein Märchen für Kinder handelt, sondern sich auch sehr für erwachsene Leser eignet, nein, sogar von Erwachsenen gelesen werden MUSS, denn wir verstehen die Aussage des Buches besser, doch müssen immer mal wieder daran erinnert werden.

Einen kleinen Einblick möchte ich dennoch geben: Es handelt ganz entfernt und doch irgendwie nah von Pinocchio, obwohl die Geschichte ganz anders verläuft, als die weltweit berühmte Erzählung des Jungen aus Holz, der so gerne ein normaler Junge hätte sein wollen. 



4,5 von 5 Lese-Echsen




John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama", der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als "ein kleines Wunder" (The Guardian) gefeiert wurde. 

Mehr auf: John Boyne

7. April 2016

Holly Greene - Glücksklee





Autorin: Holly Greene
Titel: Glücksklee



Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-25696-7
Erschienen: 2012
Seiten: 395





Vier Frauen, vier Schicksale.
Ein Roman über Liebe und Freundschaft.

Im beschaulichen Lakeview kennt jeder jeden. Und alle kommen sie zu Ella, um sich Rat in Liebes- und Lebensfragen zu holen. Ihr Café ist der Dreh- und Angelpunkt des kleinen irischen Dorfs. 

Eines Tages findet Ella ein Bündel vor ihrer Tür. Ein lebendes Baby! Ella ist schockiert. Könnte das Neugeborene von Nina sein, die vor kurzem von ihrem Freund verlassen wurde? Oder von Ruth, der erfolgreichen Schauspielerin auf dem Sprung zur grossen Karriere? Oder von Jess, deren Mann keine Kinder will?

Eines jedenfalls ist klar: Am Ende dieses Sommers wird für alle vier Frauen nichts mehr so sein, wie es vorher war...




Ein Frauenroman erster Klasse - unterhaltsam, frisch und ein kunterbunter Mix aus verschiedenen Schicksalen verschiedener Frauen. Eine Geschichte über viele noch ungeborene Babys, über das Leben auf dem Land und ein Netzwerk von Freundinnen. 

Meine erste Anmerkung gilt dem Klappentext. Dieser ist leider etwas irreführend, weil er zeitlich nicht stimmt. Ohne, dass ich schon spoilern möchte, will ich doch darauf hinweisen, dass es am Ende der Geschichte einen Turn gibt, der zwar interessant ist, allerdings den Klappentext im Nachhinein Lügen straft. Ich habe mich auf eine Suche gefreut, bei der die Herkunft des gefundenen Babys entdeckt werden soll. Doch dieses gefundene Baby wurde schon vor 20 Jahren gefunden und rutscht sehr sehr lange in den Hintergrund, der Roman erzählt dann die Geschichten diverser Frauen, die sich anfangs nicht kennen, sich aber dann zusammen finden. Hier kommt eine weitere "Lüge" des Klappentext hinzu: Auf dem originalen Buchrücken ist nämlich die Rede von "Eva, der erfolgreichen Schauspielerin", allerdings kommt überhaupt keine Eva im Roman vor, weswegen ich hier den Namen angepasst habe: die Schauspielerin heisst Ruth Seymour. Grundsätzlich stört es mich nicht, wenn der Klappentext mich auf eine andere Geschichte freuen lässt und es sich dann ganz anders als erwartet oder erhofft abspielt. Aber in diesem Fall sind es tatsächlich falsche Angaben, keine Falschinterpretation meinerseits.

Ein weiterer Kritikpunkt finde ich den Titel im Deutschen: Glücksklee. Nach der Lektüre des kompletten Romanes konnte ich hierzu keinen Zusammenhang finden, denn es war niemals der Begriff Glücksklee gefallen, nicht einmal von Klee (oder irgendeiner Pflanze) die Rede. Ich kenne die Beweggründe der Übersetzer/Herausgeber nicht, trotzdem finde ich den englischen Originaltitel besser: The truth about you - also "die Wahrheit über dich". Ich verstehe, dass Titel nicht immer 1 zu 1 übersetzt werden, dennoch bin ich der Meinung, dass sich sicherlich etwas besseres bzw. passenderes hätte gefunden werden als Glücksklee.

Nun aber zu den Pluspunkten. Der Schreibstil liest sich äussert angenehm und die Figuren wurden mit viel Detailliebe gezeichnet. Die verschiedenen Frauen, die sich anfangs nicht kennen, später aber zu Freundinnen oder auch Feindinnen werden, bilden ein Netzwerk von vielen einzelnen Schicksalen, die man eins nach der anderen kennen lernt. Zu Anfang kann dies noch viel Information bedeuten und auch einmal verwirren, wenn man den Überblick kurz verliert. Denn die Geschichte wird aus 3 Sichten erzählt: von Nina, Ruth und Jess, die anscheinend ganz unterschiedliche Leben leben, dann aber doch Gemeinsamkeiten entdecken und sich anfreunden. Weitere Frauen wie Emer, Deirdre, Trish und natürlich Ella kommen hinzu, ausserdem die jeweiligen Männer (Partner, Flirts, Ehemänner, Väter, etc). Die Männer spielen dabei nicht immer, aber häufig eher die Nebenrolle. Ganz ohne würde die Geschichte aber auch nicht funktionieren - genauso, wie es eben 2 braucht, um ein Baby zu erzeugen.


Ich kann mir diese Frauenkomödie auch sehr gut verfilmt vorstellen. Aus Gründne, die mir selber unbekannt bleiben, habe ich Jess sogar schon von Cameron Diaz besetzt gesehen, bevor ich mit dem Buch überhaupt fertig geworden bin. Ich denke an Filme wie beispielsweise "the women", "von Frau zu Frau" oder "Sex and the City", die wir doch alle lieben und gerne mit unseren Freundinnen, Schokolade, Chips und Popcorn futternd, zusammen anschauen. 


Allerdings muss ich auch gestehen, dass es mir fast zu viele Babys und Schwangere wurden, dass man sehr viele Vorahnungsoptionen hat, wem das Baby vor Ellas Tür gehören könnte. Wie gesagt stellt sich die Geschichte am Ende jedoch komplett auf den Kopf und so ist der Schluss ein kleines Feuerwerk kleinerer Überraschungen, dass es gar nicht mehr aufhörte! Das Schlussbild ist zwar etwas kitschig, ich darf verraten, dass es in gewisser Hinsicht ein Happy End gibt (zumindest für eine Frau, aber es bleiben ja noch die anderen), doch mir hat es sehr gefallen. Allgemein bediente sich die Autorin an vielen Klischees, hat es jedoch nie übertrieben und es wirkt nicht aufgesetzt oder unnatürlich.  
Gerade die Liebesbeziehungen sind mal realistischer, mal klischeehafter. Mal kommen die Männer nicht sehr gut weg, mal spielt sich einer als Held auf. Doch wie gesagt, die Frauen stehen eindeutig im Fokus hier. Leider steht Ellas Café nicht so im Fokus, wie auf dem Klappentext vermutbar ist, was ich persönlich schade fand. Es ist zwar ein Treffpunkt aller Frauen und Ella hat noch einen Knaller fürs Ende, ich hätte mir aber etwas mehr im Café erhofft. 

Der Ton und das Thema trifft so also sehr auf weibliches Publikum und ist auch eindeutig von einer Frau geschrieben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass ein männlicher Autor den Männern nicht nur mehr Stimme, sondern auch eine andere Rolle zugeteilt hätte. 

Abgesehen von dem fragwürdigen Klappentext und den mir unerklärlichen Titel, hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ich empfehle ihn liebend gern allen Mädels, die an ChickLit, Freundinnentratsch, mehrerer verwobenen Geschichten und Schwangerschaften interessiert sind. 





4,5 von 5 Lese-Echsen



Holly Greene ist das Pseudonym einer höchst erfolgreichen Autorin aus Irland. Sie stammt aus dem County Tipperary und lebt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter in der Nähe von Dublin. Bereits mit ihrem ersten Roman landete sie ganz oben auf den irischen Bestsellerlisten.