29. Mai 2016

Monika Peetz - Die Dienstagsfrauen zwischen Kraut und Rüben





Autorin: Monika Peetz
Titel: Die Dienstagsfrauen
zwischen Kraut und Rüben


Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04565-9
Erschienen: 2013
Seiten: 341





Alles muss anders werden: Genervt von schlechter Luft, ewiger Parkplatzsuche und Baulärm vor ihrer Kölner Wohnung beschliesst Kiki, mit Mann und Kind aufs Land zu ziehen. An der Mecklenburgischen Seenplatte will sie ein Bed & Breakfast für gestresste Stadtbewohner eröffnen und Gemüse mit den eigenen Händen aus der Erde statt aus dem Supermarktregal ziehen. Leider entpuppt sich das auserkorene alte Schulgebäude als komplette Bauruine. Statt zur feierlichen Eröffnung des Bed & Breakfast reisen die vier Freundinnen an, um kräftig mit anzupacken. Jede bringt ein Stück von ihrem Alltag mit. Ausser Caroline, die hat einen Mann im Schlepptau, der ihr nicht geheuer ist.

Streit, Lügen, Verrat, selbst Kikis Umzug in den Osten: Nichts kann die Dienstagsfrauen auseinanderbringen. Höchstens ein Mann. Ein Mann mit Charme und geheimer Agenda.




Landlust bei den Dienstagsfrauen, aber irgenwie nicht bei mir. Der Klappentext verspricht grosse Geschichten, "Streit, Lügen und Verrat", doch eigentlich sind es nur ein paar Stadthühner, die irgendwo in einem Niemandsdorf eine alte Schulruine kaufen und dort nach einem OBI-Besuch ein Gemüsebeet buddeln und bei einem Lagerfeuer über ihr Leben diskutieren.

Anfangs brauchte ich einige Zeit, um mit dem Roman warm zu werden. Es wollte nicht richtig in Gang kommen, es wurden Andeutungen gemacht, die Geschichte aufgebaut, aber für meinen Geschmack fehlte die Spannung, das Interesse, das mich schnell weiterlesen lässt. Allerdings muss ich anmerken, dass ich erst während der Lektüre herausfand, dass dieses Buch der dritte Band ist. Ich glaube zwar, dass sich die Geschichten einzeln lesen lassen, weil sie in sich geschlossen sind. Aber ich glaube auch, dass ich mehr Spass daran gehabt hätte, würde ich die ersten beiden Bände kennen und somit die Hauptfiguren mir auch schon vertrauter wären - und das waren sie nicht. Lange fand ich sie ziemlich klischeehaft: eine schicke Strafverteidigerin, die das Stadtleben und ihren vornehmen Pudel mag und in High Heels auf Land kommt. Eine gestresste Mutter mit Teenager-Kinder, die immer mal etwas in der Schule verbrechen, ihr Mann ein Workaholic und sie auf dem Land Abstand und eine Pause von daheim sucht. Ein ewiger Single, die seit neustem Tarotkarten legen lernt und etwas aus der Reihe tanzt. Und die Möchtegern-Superwomen, die ihre Familie aus der Stadt lockt, um auf dem Land den grossen Traum ihr biologisches Selbstversorgungs-Renovierungs-ich-bin-so-gesund-und-toll-Projekt verwirklichen möchte, aber an unrealistischen Vorstellungen bezüglich Aufwand und Geld scheitert.

Hinzu kommt noch ein Mann, den ich lange auch nicht einordnen konnte, doch das war so geplant. Schliesslich sollen seine Motive lange im Geheimen bleiben, damit die Dienstagsfrauen darüber spekulieren können, Caroline mit ihrem Verfolgungswahn hypern lässt, Eva fasst eine Affäre anfängt und Kiki überhaupt nicht interessiert, weil sie mit ihrem Dorfleben so beschäftigt ist. Erst in der zweiten Hälfte gewinnt die Geschichte an Schwung, es passiert endlich mal etwas Handfestes und die Auflösung am Ende ist auch ganz passabel. Nur habe ich bis dahin das Interesse verloren. Die Witze und Gespräche sind lustig, pfiffig und unterhaltsam, gewisse Wortspiele können aber auch schnell gekünstelt wirken, was ich schade fand. 

Der Schreibstil ist gut, der Roman liest sich sehr flüssig. Leider konnte dies aber nicht die Handlung rausreissen. Ich begann zu lesen mit der Idee eines hübschen, leichten Buches für zwischendurch. Nun bin ich froh, liegt es nicht mehr auf meinem SuB. Wahrscheinlich lese ich keine weitere Geschichte von und mit den Dienstagsfrauen, einfach weil mich Gummistiefel-Weisheiten nicht genügend interessieren.

Wer auf eine lebensnahe, herkömmliche Frauen-clique Lust hat und sich nicht an einigen Klischee-Schubladen stört, der erfreut sich wohl sehr an solchen Vorstadthühnern. Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen.





3 von 5 Lese-Echsen




Monika Peets ist Jahrgang 1963, sie studierte Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Philosophie in München. Nach Ausflügen in die Werbung und ins Verlagswesen war sie Dramaturgin und Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1998 lebst sie als Drehbuchautorin in Deutschland und den Niederlanden.


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21. Mai 2016

Jessica Sorensen - Für immer Ella & Micha





Autorin: Jessica Sorensen
Titel: Für immer Ella & Micha


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-41773-1
Erschienen: 2014
Seiten: 349





Keiner kennt dich so wie er.

Ella und Micha - das ist die grosse Liebe. Wenn sie zusammen sind, scheint alles möglich zu sein. Doch jetzt sind sie weit voneinander entfernt. Während Mich mit seiner Band tourt, arbeitet Ella am College hart an ihrer Zukunft. Sie sehnt sich nach Micha. Zugleich machen die Abgründe in ihrer Familie es ihr schwer, an ihr Glück zu glauben. Sie will Micha davor schützen, und eines Tages trifft sie eine radikale Entscheidung, die sie für immer von ihm entfernen könnte.




Ein vielversprechender zweiter Teil, der zwar nicht schlecht war, mich ehrlich gesagt aber auch nicht überzeugen konnte. Leider nichts Neues, nur das Wiederholen altbekannter Verhaltensmuster von Ella und Micha, die wir im Teil eins kennen lernten.

Der Schreibstil liest sich noch immer sehr flüssig und so wurde ich sofort in die Geschichte, beziehungsweise die Weiterführung der Geschichte von Ella und Micha eingesogen. Auch ihre Freunde Lila und Ethan sind wieder dabei, sowie Ellas Bruder Dean und ihr Vater. Schon im ersten Band hätte ich gerne etwas mehr über Lila und Ethan erfahren, was im zweiten Band fast passierte. Aber leider eben nur fast. Denn obwohl man einmal ein wenig Einblick in Ethans Alltag bekommt, als er über ein Familienproblem spricht, wird dies nicht weiter behandelt und irgendwie vergessen. Ein kleiner Lichtschimmer, der allzu schnell wieder verblasste. Was Lila betrifft, muss ich sagen, dass ich ein ganz anderes Bild von ihr bekam und sogar behaupten würde, dass es eine ganz andere Person als im ersten Teil ist. Natürlich hat sie noch die gleichen Merkmale (reiches Püppchen), aber obwohl ich sie zuerst eher zurückhaltend, schüchtern und sehr mädchenhaft einschätzte, war sie im Folgeband schon fast schlampig teilweise. Dass sie sich Ellas Freunden und Kontext anpasst, schön und gut, aber doch keine 180-Grad-Wendung. Das fand ich eher unglaubwürdig.

Nun zu den beiden Hauptcharakteren Ella und Micha. Ich bin mir bewusst, dass es sich um einen Young-Adult-Romantik-Roman handelt, doch die Reaktion von beiden kamen mir manchmal doch sehr kindlich vor. Und dann gab es wieder Momente, wo sie im Gegenteil sehr erwachsen wirken sollen, obwohl das deutlich seltener vorkam. Was mich leider enttäuschte, ist die ständige Wiederholung ihrer Handlungen. Eigentlich passiert im zweiten Teil nicht viel mehr als ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Päarchen. Beide lieben sich über alles, vermissen sich, wenn sie nicht beisammen sein können. Gleichzeitig streiten sie immer mal wieder, Micha ertränkt seinen Kummer im Alkohol und Ella rennt in irgendeiner Form weg, weg von ihren Ängsten, ihren Psychospielchen, weil sie glaubt, nichts wert zu sein, alles kaputt zu machen oder Micha zu enttäuschen. Dann kommt die Versöhnung, innige Küsse und Sex...bis zum nächsten Streit. Grundsätzliche geht es im zweiten Teil heisser zu und die beiden reissen sich öfters die Kleider vom Leibe als anfangs noch. Ausserdem scheint die Autorin ein Faible für Wasserspiele zu haben und Micha hat noch immer diesen Lippenring, der in jedem Kapitel mindestens einmal erwähnt werden muss. (Ich weiss, das ist Geschmackssache, ich persönlich stehe einfach nicht auf Lippenringe. Aber ist das wirklich Michas Hauptargument attraktiv zu sein?)

Hinzu kommen nicht nur die Probleme mit und von Ellas Vater, sondern diesmal kommt noch der Vater von Micha hinzu. Ausserdem Eifersuchtsspiele mit einem Typen, der mit Ella Kunstunterricht hat und ein weibliches Mitglied aus Michas Band. Unter dem Strich habe ich allerdings das Gefühl, dass alle neuen und alten Nebenfiguren nur als Gründe für Streit oder Statisten in der Geschichte sind, denn schlussendlich geht es immer wieder um Ella und Micha und ihre Liebe und ihre Selbstzweifel und miese Vergangenheit. Auch die neue Frau in Deans Leben passte meiner Meinung nicht unbedingt hinein und hat nur einen kleinen Auftritt. 

Schade konnte sich die Geschichte zwischen Ella und Micha nicht tiefer weiterentwickeln, sondern scheint nur eine Fortsetzung des ersten Teiles zu sein. Gut geschrieben, unterhaltsam, sicherlich eine grosse Liebesgeschichte... aber eben nichts Neues.



4 von 5 Lese-Echsen




Jessica Sorensen ist eine amerikanische Autorin und hat schon zahlreiche Romane, darunter viele Reihen, in ihrem liebsten Genre geschrieben. Dabei sorgte sie für eine neue New-Adult-Welle, die bis nach Europa schwappt, weswegen ihre Romane auch hier regelmässig auf Bestsellerlisten landen.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.


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12. Mai 2016

Anna Levin - das Korallenhaus




Autorin: Anna Levin
Titel: das Korallenhaus


Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38096-1
Erschienen: 2014
Seiten: 384





Eine Liebe, so unendlich wie das Meer

Als die Meeresbiologin Nina in einem Haus bei Tazacorte ein altes Tagebuch und eine Kette aus schwarzen Korallen findet, ahnt sie nicht, dass dieser Fund ihr Leben für immer verändern wird. Sie kam nach La Palma, um bedrohte Korallenarten zu studieren, doch die Geshcichte der Korallentaucherin Serena, die den Freitod im Meer suchte und von dem Hirten Mateo gerettet wurde, schlägt sie in ihren Bann. Denn sie erzählt von einer Liebe, wie Nina selbst sie sich immer erträumt hat. Woher aber kommen die Parallelen im Leben beider Frauen? Und wem ist Ninas Forscherteam ein Dorn im Auge?





Ein wunderbares Cover voller Farben, ein Haus mit Meersicht, Blüten einer kanarischen Insel, zwei Liebesgeschichten in zwei verschiedenen Zeiten und eine Mission: die schöne Unterwasserwelt schützen, besonders die rote und schwarze Koralle.

Der Roman macht Lust auf Sommer, auf La Palma und teilweise sogar aufs Tauchen. Die Beschreibungen sind sehr geschmückt, detailliert aber nicht überladen und geben ein sehr authentisches Bild der Insel und der Geschehnisse wider. Man merkt, dass die Autorin selbst die verschiedenen Örtlichkeiten besucht hat, in La Palma sogar an diesem Buch geschrieben hat und vor Ort recherchierte. Dies wird auch im Nachwort erwähnt, wo ein kleines Glossar zu den spanischen Bezeichnungen und eine kurze Erklärungen der Autorin zu finden sind, bezüglich welche Teile fiktiv sind und welche auf wahren Begebenheiten oder Legenden beruhen. So ist auch die Situation mit der Verschmutzung der Meere und den Schmugglern von geschützten Meerestieren gut recherchiert und wahrheitsgetreu. Leider werden mit der Fischerei und dem Tourismus Riffe beschädigt, vom Aussterben bedrohte Tierarten weiter wegen Profitgier ausgerottet und unter anderem mit Korallen auf dem Schwarzmarkt gehandelt. 

Die Autorin versteht es, den Leser auf eine Reise mitzunehmen, mit uns in die Tiefe abzutauchen, um Delfine, Schildkröten und bunte Fische zu besuchen. Sie nimmt uns mit in verschiedene Dörfer auf der kanarischen Insel, lässt uns Wetterumbrüche und emotionale Momente spüren. Die Hauptperson Nina war mir schnell sympathisch und ich verfolgte ihre Wege sehr gerne. Ihre Begegnung mit Fabio, einem Apnoetaucher ihres Forscherteams, war wenig überraschend und sehr voraussehbar. Das typische Klischee: Auf dem Klappentext und Anfangs sind sie sich unsympathisch, aber er sieht saugut aus, dann kommen sie sich näher, sie will es nicht wahrhaben, er scheint ein Frauenheld, dann stellt sich aber heraus, dass er ein ganz lieber ist und echt in sie verknallt und sie eigentlich auch et voilà, am Ende kommt eine Liebesgeschichte dabei heraus. Ich denke nicht, dass ich damit spoilere, denn es ist doch sehr einfach zu erahnen. Ebenfalls voraussehbar war leider ein wenig eine weitere Geschichte über kriminelle Machenschaften. Wem ist das Forscherteam ein Dorn im Auge? Das hat mich dann doch überrascht, wer es schliesslich war. Allerdings entwickelt sich im Verlauf der Lektüre so eine Vorahnung und Idee.

Enttäuscht war ich lediglich von dem Tagebuch. Ich mochte die Geschichte von Serena und Mateo sehr. Die Parallelen zu Nina und Fabio fand ich aber etwas gewollt und konstruiert. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich dieses Genre gerne lese und deshalb gut kenne und sich solche Geschichten immer ein wenig wiederholen. Was mich aber extrem störte, war der Schreibstil des Tagebuches. Die Einträge glichen mehr Erzählungen wie der Rest des Romanes, mit direkter Rede und einigen Ungereimtheiten. Schriebe ich ein Tagebuch, würde ich nicht über die Gedanken und Gefühle anderer Personen schreiben, weil die mir ja verborgen blieben und ich die überhaupt nicht kenne. Die ganze Form der Tagebucheinträge war im Gegensatz zum restlichen Roman sehr unauthentisch, obwohl sonst unterhaltsam. 

Wer sich zudem fürs Tauchen interessiert, der kommt hier auch nicht zu kurz, denn auch das hat die Autorin vor Ort recherchiert und einen guten Teil der Geschichte spielt unter Wasser. Wer sich weniger dafür interessiert, der erfreut sich einfach an den Begegnungen mit Delfinen und das gefühls-chaotische Hin und Her zwischen Nina und Fabio. Das Ende könnte für manche leicht kitschig sein, für mich ging es gerade noch so. Trotz einiger Reaktionen von Nina, die ich nicht immer nachvollziehen konnte, konnte ich mit ihr mitfühlen und genoss die Reise. Unterm Strich ein schöner Sommerroman, Lektüre für Balkonien, Strand oder Garten und trotz einigen Abstrichen, wahrscheinlich nicht mein letztes Buch dieser Autorin.




4,5 von 5 Lese-Echsen





Anna Levin schreibt Geschichten, seit sie denken kann. Bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, war sie im medizinischen Bereich tätig. Seit vielen Jahren treibt sie ihre Neugier und Sehnsucht immer wieder in ferne Länder, wo sie sich besonders für andere Kulturen und deren prähistorische Vergangenheit interessieret. Ausserdem schreibt sie unter einem anderen Pseudonym erfolgreich historische Romane. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden Deutschlands.

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2. Mai 2016

Rolf Lappert - Pampa Blues





Autor: Rolf Lappert
Titel: Pampa Blues


Verlag: Carl Hanser
ISBN: 978-3-446-23895-4
Erschienen: 2012
Seiten: 252







Der 16-jährige Ben sitzt in dem verschlafenen Nest Wingroden fest, wo es nichts gibt als eine alte Tankstelle, die gut besuchte Dorfkneipe, den Baggersee und die schöne Friseurin Anna. Ben träumt davon, irgendwann nach Afrika abzuhauen und vielleicht wäre er auch schon längst weg, wenn seine Mutter nicht als Jazzmusikerin durch die Welt tingeln würde. Bis sie zurück ist, macht er den VW-Bus flott, kümmert sich um seinen Grossvater und debattiert mit Maslow, dem Ideenstifter, Finanzier und Visionär der Gemeinde. Maslow will Wingroden zu einer Touristenattraktion machen, mit Vergnügungspark und Golfplatz. Seine jüngste Idee ist es, Nachrichten von einem gestrandeten Raumschiff zu verbreiten, um den Ort in eine Pilgerstätte der Ufo-Gläubigen zu verwandeln. Als die junge Lena mit ihrer Kamera aufkreuzt, scheint der Plan zu funktionieren. Doch dann treibt Maslow selbst gebasteltes Ufo in den Nachbarort ab. 



Eine sehr kuriose Idee, die ganz witzig sein könnte. Doch leider wurde es nicht so toll umgesetzt, wie ich mir erhofft hatte. Spannung kommt fast nie auf, Wingroden wirkt tatsächlich sehr langweilig und ganz allgemein war ich am Schluss leider der Meinung: Was drauf steht, steckt auch drin, Pampa Blues eben.

Der Schreibstil ist eigentlich noch das Beste des Romanes. Es liest sich nicht nur angenehm, sondern ist lebhafter als die Figuren selbst. Die wenigen Personen, die darin vorkommen, sind anfangs viele Namen, doch man hat schnell den Überblick. Eine Handvoll versoffener Männer, die sich täglich in der Dorfkneipe treffen und sozusagen das grosse Publikum für Maslows Ideen sind. Ein Hund, der ebenfalls Bier trinkt und sonst unter dem Tisch schläft. Ben und sein Grossvater, der recht stumm, aber sonst lieb ist. Allgemein habe ich Karl, den Grossvater, am schnellsten und tiefsten ins Herzen geschlossen. Maslow und seine Schnapsideen waren wohl der unterhaltsamste Charakter von allen, während Ben mich eher an einen verschlafenen, tendenziell schlecht gelaunten Jugendlichen denken liess. Lena war da schon quierliger, allerdings fand ich ihre Handlungen nicht sehr authentisch oder ich verstand sie einfach nicht.

Schade ist vor allem, dass der relativ kurze Roman sehr viel Aufbauzeit benötigt und bis zur Hälfte recht wenig passiert. Man lernt die Personen kennen, bekommt ein Gefühl für Wingroden, aber irgendwie eiert die Geschichte so daher und man wartet auf den grossen Knall. Erst gegen Ende passiert endlich etwas mit dem selbstgebastelten Ufo, man erfährt mehr über die Geschichte von Lena, die man meiner Meinung viel mehr ausbauen konnte und auch in Ben kommt mehr Bewegung. Hinzu kommt ein Mordfall, der aber nur kurz erwähnt wird und dann ganz am Schluss schnell erklärt und aufgeklärt wird, aber sonst eine Randnotiz bleibt. 

Unterm Strich bleibt Pampa Blues leider Pampa Blues, eine Geschichte im Nirgendwo, wo alle ihr langweiliges Leben bejammern oder Unwichtigkeiten bequatschen und wenn mal etwas passiert, war es Falschalarm oder zu spät. Für mich ging die Geschichte erst richtig los, als der Roman zu seinem Ende kam. Schade.




2,5 von 5 Lese-Echsen



Der Schweizer Autor, der auch Drehbücher schreibt, besitzt sämtliche Tugenden eines wirklich guten Handwerkers. Er hat jede Menge skurrile Einfälle, die er durch eine starke Handlung im Zaum hält.

Image result for rolf lappertRolf Lappert, 1958 in Zürich geboren, lebt in der Schweiz. Er absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, war Mitbegründer eines Jazz-Clubs und arbeitete viele Jahre als Drehbuchautor u.a. für eine Serie des Schweizer Fernsehens. Bei Hanser erschienen die Romane "nach Hause schwimmen" (2008), der mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, und "auf den Inseln des letzten Lichts" (2010).
Mehr auf: Rolf Lappert