22. Juni 2016

Núria Masot - Im Schatten des Templers





Autorin: Núria Masot
Titel: Im Schatten des Templers


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-72154-8
Erschienen: 2007
Seiten: 400






Man schreibt das Jahr 1265: Bernard Guils, ein Templer, reist als Söldner getarnt auf einem Schiff von Zypern nach Barcelona. Er soll wertvolle Pergamente nach Spanien bringen. Doch Guils wird auf der Reise vergiftet, die geheimen Pergamente werden gestohlen. Auf dem Sterbebett kann er den alten jüdischen Arzt Abraham Bar Hiyya noch bitten, den Orden der Templer zu benachrichtigen Abraham erfüllt den letzten Wunsch des Toten; im Haus der Templer trifft er auf Guillem de Montclar, Guils' jungen Schüler. Der ist tief erschüttert über die Nachricht vom Tod seines geliebten Mentors und macht sich auf die Suche nach dem Dieb und Mörder. Ihm zur Seite stheen Guils' alter Gefährte Jacques Le Breton und Bruder Dalmau. Auf der abenteuerlichen Jagd durch Barcelona wird den Templern bald klar, dass ausser ihnen noch andere geheimnisvolle Mächte auf der Jagd nach den Papieren sind. Doch erst spät erkennt Guillem, von welch brisanter Bedeutung der Inhalt der Pergamente tatsächlich ist und welch grosse Gefahr sie für ihren Besitzer darstellen.





Manchmal gebe ich einem Genre die Chance, mich zu begeistern, das ich sonst eigentlich nicht lese. Dazu gehören auch historische Romane. Dieser hier konnte mich anfangs mitreissen, wurde in der Mitte etwas langatmig und liess mich am Ende mit einem Gefühl der Ratlosigkeit zurück. 

Grundsätzlich ist es gut geschrieben, obwohl ich mich anfangs an die manchmal umständlichen Satzstrukturen gewöhnen musste. Der Schreibstil passt jedoch zum Jahrhundert, was auch die Gespräche unter den Templern wesentlich authentischer macht. Anfangs jeden Kapitels ist eine Art Zitat gedruckt, allerdings ohne Angaben zum Verfasser. Ich nehme an, dass es sich nicht um Zitate aus anderen Werken handelt, sondern ebenfalls aus der Feder von Núria Masot stammt. Denn meist betrifft es Regeln des Templerordens, ähnlich einer Mitgliederordnung, und geben eine erste Vorahnung auf das nächste Kapitel. 

Der Schatten aus dem Buchtitel ist zweideutig zu verstehen. Zum einen geht es vor allem um Machenschaften von Ordensmitglieder und somit Ereignissen im wortwörtlichen Schatten des Templerordens und der Kirche. Zum anderen ist der Schatten aber auch eine Person, ein allzu bekannter Templer, um den es vielerlei Gerüchte gibt und mit dem besonders Bernard, Dalmau, Jacques (und noch ein paar andere) eine Rechnung offen haben. 

Was die Charakteren betrifft bin ich gespaltener Meinung: Auf der einen Seite gibt es Personen wie Bernard, Guillem, Dalmau und der Schatten, die immer mal wieder abwechselnd im Fokus stehen und die Hauptrolle übernehmen. Bei ihnen habe ich ein Bild vor Augen, kann mir sie vorstellen, wie sie ungefähr ausgesehen haben, was sie fühlten, worum sie tun, was sie eben tun. Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Vielzahl Nebenfiguren, die mal mehr, mal weniger wichtig sind und weniger genau beschrieben wurden. Ein gewisser Bruder Berenguer war mich höchst unsympathisch, aber zumindest eine "lebendige" Figur. Viele zusätzlichen Personen, die plötzlich auftauchen, aber genauso schnell wieder verschwinden, blieben mir leider zu zweidimensional und ungenügend vorgestellt, trotz ihres meist kurzen Auftrittes. Ausserdem wird die blosse Anzahl an Personen irgendwann ziemlich viel und man muss ein geübter Leser sein (oder Notizen machen), um den Überblick zu behalten. Dies gestaltet sich besonders schwierig, aufgrund der vielen Verknüpfungen und Beziehungen. In einem grandiosen Netzwerk von Bekanntschaften oder Feindschaften verstricken sich Lüge, Intrige, unverhoffter Schutz und Unterstützung, Verrat und Treue, manchmal sogar Liebe oder andersartige Ergebenheit. 

Ein Krimi auf sozialer Ebene auf der Bühne der katholischen Kirche in Barcelona, mit Referenzen nach Rom, Frankreich und Palästina. Gewürzt mit ein wenig Legenden und Mystik mittels den Pergamenten und einem Kreuz, das der Schlüssel für ein grossen Geheimnis ist. Doch wie gesagt: Anfangs fand ich es spannend, wurde in das Verwirrspiel und die gegenseitige Jagd der Beteiligten gezogen und las die erste Hälfte des Romanes sehr schnell. In der zweiten Hälfte wurde es aber zu viel des Guten, zu viel Verwirrung, zu viele Personen, zu viel Spannungsaufbau und nicht immer keine Lösung, so dass mein Interesse plötzlich verpuffte. Trotz einem interessanten Ende, hatte ich schlussendlich nur noch wenig Lust, all die verschiedenen Rätsel zu entwirren. Vieles wurde aufgelöst, wenn auch teilweise recht schnell und unspektakulär, einige Fragen blieben sogar offen. Unter dem Strich kein Fehlgriff, wieder einmal in ein anderes Genre zu schnuppern, aber so schnell greife ich wohl nicht wieder nach historischen Geschichten oder Templern.






3,5 von 5 Lese-Echsen



nuriaNúria Masot wurde 1949 in Palma de Mallorca geboren. Zunächst arbeitete sie als Journalistin für die spanische Tageszeitung Diario de Barcelona und den Sender Radio Barcelona. Nach einer Zeit am Theater widmet sie sich derzeit der Malerei und Schriftstellerei. Sie lebt in einem Dorf in Katalonien. 
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12. Juni 2016

Ali Shaw - Der Mann, der den Regen träumt





Autor: Ali Shaw
Titel: Der Mann, der den Regen träumt


Verlag: script5
ISBN: 978-3-8390-0146-2
Erschienen: 2013
Seiten: 336






"Wie Kreide, vom Regen zu einem weissen Schleier verwaschen, begannen seine Umrisse zu verschwimmen und seine Konturen schwanden beinahe unmerklich. Im eien Moment sah Elsa einen Mann vor sich und im nächsten nur noch eine graue Silhouette. Seine Haut wurde zu Nebel. Die sonne hinter ihm liess ihn erstrahlen und umrahmte ihn mit ihrem goldenen Schein, bis er nichts mehr von einem Mann an sich hatte, sondern immer mehr einer Wolke glich, die durch Zufall die Form eines Menschen angenommen hatte."

Nach dem Tod ihres Vaters lässt Elsa alles hinter sich und flüchtet aus ihrem bisherigen Leben an einen abgelegenen Ort. Thunderstown ist ein kleines, einsames Städtchen und hier, so sagt man, erwatcht das Wetter zum Leben. Genau das glaubt Elsa zu erleben, als sie zum ersten Mal auf Finn trifft, der zurückgezogen in den Bergen lebt, die das Dorf umschliessen. Finn ist kein gewöhnlicher Mann, ihn umgibt ein Geheimis. Es ist der Grund für sein Einsiedlerleben und der Grund, warum die Einwohner von Thunderstown ihm nicht wohlgesinnt sind. Doch trotz aller Gerüchte und Anfeindungen hält Elsa zu Finn. Gemeinsam versuchen sie, ihre Liebe gegen all die Widerstände zu behaupten.




Nachdem ich "das Mädchen mit den gläsernen Füssen" schon zauberhaft fand, habe ich für diesen Roman nur noch ein Wort übrig: Magisch. Wieder einmal beweist der Autor nicht nur eine wunderbare Vielfalt an Ideen, unglaublich viel Fantasie, Talent für emotionale und bildgewaltige Momente, sondern auch einen unvergleichlichen Schreibstil, der mich sofort in die Geschichte gesogen hat.

Die detailreiche Beschreibungen von Ereignissen und Kulissen sind zum einen geradezu poetisch, zum anderen wirkt dies aber niemals schwerfällig. Der Schreibstil zeugt von einem reichen Wortschatz und einem treffsicheren Wortgebrauch, sodass eindrückliche Bilder entstehen und dem Geschehen ein unglaublich reales Leben einhauchen. Es scheint mir fast unmöglich, als Leser diesem Sog in das Buch, dieser starken Strömung des Geschichtsflusses widerstehen zu können. Schnallt euch eine Schwimmweste um und lasst euch von dieser Erzählung mitreissen, denn diese Gewässer gründen eindeutig tief.

Elsa und Finn sind kein gewöhnliches Paar und das nicht nur, weil Finn nicht gewöhnlich ist. Sie verbindet etwas Unerklärliches, das auch mit der Vergangenheit von Elsa und ihrem Vater in Verbindung steht. Wer auf eine romantische Liebesgeschichte hofft, muss ich allerdings enttäuschen. Trotz Momenten schöner Zweisamkeit, liegt der Fokus nicht auf ihrer Liebe an sich, sondern auf ihr Kennenlernen, ihrer ersten Annäherungen, dem Gefühlschaos und dem Geheimnis rund um Finn. Ausserdem mischen weitere wichtige Figuren, wie zum Beispiel Finn's Vater und andere Einwohner aus Thunderstown mit, was erheblichen Einfluss auf die Zukunft von Finn (und Elsa) hat. Meine Lieblingsperson ist diesmal jedoch eine Nebenfigur, einfach weil sie mich faszinierte und ich gerne mehr über sie erfahren hätte: Dot, die kleine Nonne mit mehr als einem Geheimnis und ganz viel altem Wissen.

Thunderstown, die Donnerstadt, umgeben von vier Bergen, die ziemlich unterschiedlich und doch alle eher steinig und karg sind, ist das Lebenszentrum von gläubigen und ziemlich verängstigten Einwohner, die dem Wetter und allem, was damit zusammenhängt, nicht trauen und es deshalb verteufeln. Seltsame Kreaturen scheinen die Stadt zu bedrohen, Wassertiere, die allesamt Ausgeburten des Teufels seien. Alles weitere Beispiele für die blühende Fantasie und eindrückliche Ideensammlung des Autors, den ich dafür sehr bewundere. Es ist ein Roman, der aus der Masse sticht, durch seine Einzigartigkeit brilliert und mich begeistert über die Geschichte, aber traurig über deren Ende zurücklässt. Gerne hätte ich nochmals 300 Seiten weitergelesen. Das finale, wortwörtliche Gewitter noch einmal genossen. 

Ich schaue aus dem Fenster, beobachte die Wolken, bauschige Wattebälle, die sich träge über den Himmel ziehen. Einzelne Regentropfen des letzten Gewitters kleben noch an der Scheibe, die Luft riecht gereinigt, klar und frisch. Nach diesem Buch werde ich Wolken mit anderen Augen sehen und bei Regen innehalten und mit Freude an diese Geschichte zurückdenken. So grau und dunkel sie manchmal scheint, so ein glänzendes Highlight ist sie nun in meinem Buchregal. Absolut empfehlenswert, besondern während einem Gewitter zu lesen! Wenn mit dem echten Donner, der Herzschlag der Erzählung folgt und man im Rhythmus der Regentropfen, die ans Fenster trommeln, die Seiten umblättert und die Zeit vergisst. 





5 von 5 Lese-Echsen




Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Grossbritannien, auf. nach sienem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler udn in einer Bibliotek in Oxford. Sein Debüt "das Mädchen mit den gläsernen Füssen" war ein grosser Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt.

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5. Juni 2016

Lori Nelson Spielman - Morgen kommt ein neuer Himmel






Autorin: Lori Nelson Spielman
Titel: Morgen kommt ein neuer Himmel



Verlag: Krüger
ISBN: 978-3-8105-1330-4
Erschienen: 2014
Seiten: 363




Als Brett 14 Jahre alt war, hatte sie noch grosse Pläne für ihr Leben, festgehalten auf einer Liste mit Lebenszielen. Heute, mit 34 Jahren, ist die Liste vergessen und Brett mit dem zufrieden, was sie hat: einen Freund, einen Job, eine schicke Wohnung.

Doch als ihre Mutter Elizabeth stirbt, taucht die Liste wieder auf: Aus dem Mülleimer gefischt, hat ihre Mutter die Liste aufgehoben, und deren Erfüllung zur Bedingung dafür gemacht, dass Brett ihr Erbe erhält. Aber Brett ist nicht mehr das Mädchen von damals! Ein Pferd kaufen? Die grosse Liebe finden? Ein Baby bekommen? Was hat ihre Mutter sich bloss dabei gedacht?

Um Brett zu unterstützen, hat ihre Mutter ihr mehrere Briefe hinterlassen. Briefe mit so viel Liebe, Weisheit und Wärme, wie sie nur eine Mutter geben kann. Briefe, die Brett dazu aufrufen, etwas zu riskieren, ihre Träume nicht aufzugeben und ihr Leben in die Hand zu nehmen - kann Elisabeth ihrer Tochter dabei helfen, sich selbst wiederzufinden?



Eine Liste mit 20 Lebenszielen, wovon noch 10 zu erfüllen bleiben, damit Brett ihr Erbe bekommt. Eine Frau, die scheinbar ein schickes Leben führt und ihren Erfolg auf Oberflächlichkeiten reduziert, was sich allerdings mit der 180 Grad-Drehung, was die Liste bewirkt, auf den Kopf gestellt wird. Brett soll sich wiederfinden. Aber hat sie das wirklich?

Ich hatte grosse Erwartungen in das Buch, von dem ich schon viel Gutes gehört habe. Ein toller Erstlingsroman soll es sein, eine berührende Geschichte über die wahren Werte im Leben. Und das traf auch zu, wenn auch zu übertrieben für meinen Geschmack. Der Einstieg war vielversprechend und Brett war eine dynamische Hauptfigur, die mich sofort in ihre Geschichte ziehen konnte. Der Schreibstil ist manchmal sehr blumig und ausgeschmückt, aber liest sich sehr fliessend. Ich gewann Mitgefühl für Brett, sah sie ebenfalls als "Opfer" der Bedingungen, die ihre Mutter mittels der Liste ihr stellte, um das Erbe zu erhalten und so schien es zu Beginn auch alles sehr schwierig zu werden für Brett, ja geradezu unfair! Doch dann lässt sie sich darauf ein, macht erste Fortschritte und kann erste Ziele erreichen, wofür sie die ersten Briefe für die ersten Punkte der Liste erhält. In diesen schreibt ihre Mutter ganz liebe Worte, scheint hellseherische Fähigkeiten oder einfach eine gute Intuition zu haben und ermuntert Brett, weiter an der Liste zu arbeiten. Im Verlauf des Buches wird diese Liste aber eine To-Do-Liste, die Brett beinahe kopflos befolgt und das Erbe nicht mehr wichtig ist. Sie verwandelt sich von einer noblen, erfolgreichen, mit Gucci-Tasche und Jimmy-Choe-Schuhen bewaffnete Frau aus dem reicheren Viertel zu einer geläuterten "man-kann-von-Luft-und-Liebe-leben"-Powerfrau, die im Armenviertel die Lehrerin gibt, Nächstenliebe predigt und plötzlich ihren Mahagoni-Tisch verschenkt. Gleichzeitig fliegen ihr gerade 3 Männerherzen entgegen - bzw. das glaubt sie zumindest - und dann gleich von einem Arzt, einem Anwalt und dem perfekten Snob, der den edlen Ritter mit weissem Pferd in den Schatten stellen würde. Gerade als sie den Punkt "sich in den Richtigen verlieben" auf ihrer Liste erfüllen sollte? Wie praktisch! Und wie unglaubwürdig...

Die Grundidee konnte mich sofort fesseln, auch die Umsetzung zeugt von viel Fantasie, denn jedes Ziel der Liste ist wieder mit einer neuen Geschichte aus der Vergangenheit verknüpft. So kommen neue Personen ins Spiel, viele Überraschungen und diverse Wendungen. Während der Lektüre bekam ich allerdings ein Gespür für diese Überraschungen und Wendungen wurden voraussehbar, einfach weil sie immer passierten und zum Muster wurden. Das finde ich sehr schade, denn die Geschichte zeigt sehr viel Potential und müsste nicht künstlich so aufgebauscht werden. Gegen Schluss verkommt es aber immer mehr einer kitschigen Schnulze, das Happy End ist so absehbar, dass ich hier nicht spoilere, wenn ich sage: Natürlich findet sie ihren Traumprinzen und alles wird gut! Die Schluss-Szene würde in Hollywood jeden dramatikliebenden Regisseur freuen, falls der Roman verfilmt werden soll. Innige Küsse, ewige Liebe, Familie und Freunde um einen Tisch... das ganze Feuerwerk der Gefühle, die das perfekte ach so tolle Schlussbild des Lebens zeigt. Es freut mich für Brett und für alle Leser, die so etwas mögen. Aber mir persönlich war es einfach zu viel Zuckerwatte und zu absehbar. 

Einige Reaktionen von Brett, aber auch von anderen Charakteren, konnte ich teilweise überhaupt nicht verstehen. Entweder, weil sie masslos übertrieben waren (erst ist sie die starke Frau, die alles im Griff hat, im nächsten Moment nach einem einzigen Kommentar von einer anderen Person, mutiert sie zum verwöhnten dummen Opfermädchen, das Krokodilstränen heult) oder zu schnell wechselten (erst ist er der verständnisvollste Typ der Welt, ein Goldschatz ohne Vergleich und dann wird er im nächsten Moment das absolute No-Go für Brett, wegen einer einzigen Aussage seinerseits oder weil ich der perfekte Prinz von einer Zeile auf die nächste nicht mehr gefällt). Auch hat die Autorin etwas zu gut gemeint mit dem lieben Zufall, sodass einfach zu viele Puzzleteile ineinander schliessen. Das wirkt leider nicht authentisch, sondern eher als würde plötzlich das ganze Universum Brett helfen, ihre Liste abzuarbeiten und alle Figuren mutieren zu Zombies, die nur in die Geschichte kommen, um ihr dabei zu helfen. Zu viele Dinge fliegen ihr zu, zu viele Entdeckungen oder Treffen passen zu perfekt, zu viele Ereignisse geschehen viel zu schnell und reibungslos. Sie muss ausziehen? Schwupps, findet sie eine Wohnung, die super schnuckelig, aber bezahlbar ist. Sie soll ein Baby bekommen? Schwupps entdeckt sie, dass sie schwanger ist und trifft kurz später eine Schwangere. Sie soll für immer die Freundin von Carrie sein, obwohl sie sich seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hatten nach einem schweren Verrat? Schwupps, Facebook-Anfrage und die beiden lieben sich, als wäre nichts gewesen. Die einzelnen Geschichten sind super geschrieben, sehr unterhaltsam und vielfältig. Doch leider habe ich den Eindruck, dass die Autorin sich immer gerade auf einen Punkt der Liste konzentrierte und die restlichen dann links liegen liess. Brett beschafft sich einen Hund, der die Hauptrolle in einem Kapitel gewinnt. Dann kommt das Baby und schwupps, ist der Hund wieder vergessen? Oder sitzt der alleine daheim und heult dem erledigten Punkt auf der Liste nach?

Unterm Strich habe ich den Roman sehr genossen, musste mal schmunzeln und war mal betrübt. Viele tolle Ideen kamen hier zusammen und bilden ein unterhaltsames Ensemble von Teilgeschichten. Die Entwicklung von Brett und der Liste, sowie teilweise dem Schreibstil (bzw. der Wortwahl) wurde mir gegen Ende jedoch zu rosarot, zu perfekt, um glaubwürdig zu bleiben. Ein glücklicher, aber kitschiger Schluss, der mir nicht ganz alle Fragen beantwortete, aber zu einem Roman passt, den ich sicherlich empfehlen kann. 




4,5 von 5 Lese-Echsen




Als Lori Nelson Spielman in einer kleinen, alten Zedernholzschachtel aus ihrer Schulzeit eine längst in Vergessenheit geratene Liste mit ihren Lebenszielen fand, hielt sie die Idee für diesen wunderbaren Roman in den Händen. Wie anders ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie all diese (ehrgeizigen, trivialen, ehrenhaften, unmöglichen oder auch peinlichen) Ziele erreicht hätte? Wäre es besser, schlechter oder nur anders geworden?

Die Autorin lebt mit ihrem Mann in East Lansing, Michigan. Sie leibt es zu reisen, zu lesen und zu schreiben - ihre wahre Leidenschaft. Derzeit arbeitet sie als Hauslehrerin - eines der Ziele ihrer Liste, das sie bisher erreicht hat...


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