18. Dezember 2016

Markus Ridder - Das Messias-Projekt



Autor: Markus Ridder
Titel: Das Messias-Projekt



Verlag: Books on Demand
ISBN: 9-783-739-24507-2
Erschienen: 2016
Seiten: 326





Craig erwacht mit einem schrecklichen Kater. Der 40-Jährige ist vollkommen orientierungslos, weiß noch nicht mal, wo er ist. Doch langsam dämmert es ihm: Er ist in Zürich, und es sind nur noch wenige Minuten, bis ein wichtiger Vortrag beginnt. Ein Vortrag, den er selbst halten muss. In aller Windeseile zieht er sich an und hastet zum Veranstaltungsort. Dort angekommen wundern sich die Leute: Craig kommt fast auf den Tag genau ein Jahr zu spät. Und keiner weiß, was er in diesem einen Jahr gemacht hat. Auch Craig nicht. Er setzt alles daran, herauszufinden was passiert ist. Doch nicht alle haben ein Interesse an der Wahrheit.




Tolles Cover, interessante Grundidee und durchaus Psychothriller, aber irgendwie doch nicht so überraschend spannend wie erhofft.

Anfangs kam ich nicht wirklich in Lesefluss, weil der Schreibstil sich wehrte. Meist sehr schnörkellos, wirkte er an manchen Stellen sogar leicht gekünstelt, überdacht, ja irgendwie zu redigiert auf mich. Nicht als hätte der Autor den Text fliessend niedergeschrieben, mit natürlichem Fluss eben, sondern eher übereditiert, mehrmals überarbeitet. Oder der Schreibstil dieses Autors ist meiner inneren Lesestimme zu fremd und wollte sich nicht anpassen.


Als ich mich an die Erzählstimme gewöhnte, konnte mich die Geschichte nur bedingt mitreissen. Sie war trotz spannender Grundidee, die gemäss Vorwort sogar teils auf wahren Begebenheiten basiert (zumindest das Grundgerüst eines Jahres ohne Erinnerung), einfach nicht spannend genug. Denn nicht nur Craig möchte herausfinden, was mit ihm geschah und was in diesem verlorenen Jahr vorgefallen ist und warum er das überhaupt vergass. Natürlich wundert sich auch der Leser. Das ist ja der Hauptschlüssel des Plots hier und sollte schon Neugierde wecken. Das tat es auch zumindest beim Kauf des Buches, doch die Erzählung bot mir einfach nicht genügend Anreiz.


Lag es daran, dass mir die Hauptfigur so unsympathisch war? Dass seine Ideale überhaupt nicht mit meinen vereinbar waren, ja kaum sich kreuzen? Lag es daran, dass mir die beschriebenen Welten eines Unternehmens für Gentechnik komplett fremd waren und mich nicht weiter interessierten? Und doch kenne ich zumindest einige wahre Schauplätze wie z.B. Zürich. Und so erkannte ich auch sorgfältig umschriebene Marken und Orte, die man hübsch anonymisiert hat und wusste auch, dass eine Schale in der Schweiz ein Milchkaffee bedeutet. Details, natürlich. Aber eben hier ein Detail und da eine Kleinigkeit und diese vielen kleinen Teile machen das grosse Ganze aus... Vielleicht waren es mir dann zu viele unwichtige Details, in der sich der Autor gerne verliert: Marken jedes Kleidungsstückes, konsequent Augen- und Haarfarbe jeder Frau, die Craig trifft oder auch genaue Strassennamen. Ganz ehrlich, was bringt das dem Leser, der die Stadt nicht kennt? Selbst wenn man die Stadt und respektiven Strassen kennt, brachte mir dies absolut keinen Mehrwert. Welchen Sinn hat also diese Information?


Nachdem ich in der ersten Hälfte immer mal wieder das Interesse verlor, wurde es in der zweiten Hälfte leider noch dazu vorhersehbar. Wie schade! Endlich werde ich mit der Geschichte ein wenig warm, es kommt Tempo auf, erste Erkenntnisse, Spuren und Erinnerungen... und dann bleibt noch immer dieser bittere Nachgeschmack des schon verlorenen Interesses und eine Vorahnung, die sich dann (leider?) bewahrheitet.


Der Roman sollte mich allerdings doch noch eines Besseren belehren, denn gegen Ende war es trotz Vorahnung plötzlich mitreissend, schwungvoll geschrieben und so las ich die letzten ca. 50 Seiten in einem Rutsch durch. Und dann wünschte ich mir, der ganze Roman hätte mich so gut unterhalten wie das grosse Finale. Obwohl ich Mitte des Buches die Fährte gerochen hatte, interessierte mich brennend wo, wieso und wie Craig das angestellt hatte? Was führte vom einen zu anderen und wie kommt Craig selber wieder zu dieser Erinnerung? Welche Rolle spielen die Frauen und eine im ganz Besonderen?


Könnte ich Teilnoten vergeben, bekäme der Anfang wohl bloss eine lasche 2, die letzten 50 Seiten allerdings eine gute 4+. Schade, so viel Potenzial, das sich erst am Ende richtig entfaltet und deshalb zu schnell verpufft. Oder war es einfach nichts für mich?






3 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für markus ridderMarkus Ridder ist Schriftsteller und Kommunikationsberater in München. Zuvor arbeitete er als Journalist und schrieb unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", "die Zeit", "Horizont" und "abenteuer & reisen". Schreiben ist seit frühen Kindheitstagen seine Leidenschaft, und mit "die drei!!!" (in Anlehnung an "Die drei???") verfasste er schon mit 12 JAhren seinen ersten "Krimi".
Wenn Markus Ridder Zeit hat, ist er gerne mit dem Rucksack in Asien oder Lateinamerika unterwegs. Während einer Reise nach Buenos Aires verlor Ridder kurzzeitig das Gedächtnis. Er hat bis heute keine Ahnung, was in der Zeit geschah, als er "weg" war.


Mehr auf: Markus Ridder




10. Dezember 2016

Findet mich auf BlogLovin'

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Liebe Bücherfreunde,

 Kurze und knackige Durchsage, die auch überhaupt nicht weh tut und sich etwas wichtiger nimmt als sie tatsächlich ist... aaaber ich bin nun auch auf BlogLovin' zu finden. Fügt mich hinzu und bleibt immer auf dem aktuellsten Stand meiner Posts: Follow my blog with Bloglovin

 Zu meinem Bedauern wurde es auf diesem Blog immer leiser und obwohl ich weiterhin gerne und viel lese, wurden die Rezensionen weniger und für andere Posts fehlten mir meist Zeit und Fantasie. Muss ich leider gestehen... Schande über mein Haupt. Für das neue Jahr habe ich mir jedoch eine Umgestaltung für meinen Blog vorgenommen! Ich habe neue Ideen für einen schöneren Banner, ich arbeite an einem neuen Farbkonzept und versuche interessante Beiträge rund ums Buch zu recherchieren. Lasst euch also überraschen... aber habt noch ein wenig Geduld mit mir. Die Vorsätze für 2017 sind gelistet, bald kommt Stück für Stück die Umsetzung ;)

 Buchige Grüsse, eure Lese-Echse Mona

9. Dezember 2016

Jodi Picoult - Solange du bei uns bist





Autorin: Jodi Picoult
Titel: Solange du bei uns bist


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-785-72502-3
Erschienen: 2014
Seiten: 464




Edward Warren hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, seit er wegen eines heftigen Streites nach Thailand ausgewandert ist. Eine schreckliche Nachricht führt ihn zurück in die USA: Sein Vater, Wolfsforscher, liegt nach einem Unfall im Koma, die Chancen auf Genesung sind minimal. Während seine Schwester Cara auf ein Wunder hofft, will Edward den Vater sterben lassen und seine Organe spenden. 

Wird er von Nächstenliebe oder von Rachegedanken angetrieben?
Und wie weit wird Cara gehen, um das Leben ihres Vaters zu erhalten?



Der mit den Wölfen lebt... liegt nach einem Unfall im Koma und die Familie bricht alte Wunden auf. Ein interessanter Roman über das Thema Sterbehilfe, Organspende und Zusammenhalt in der Familie. Auch wenn ich andere Romane von Jodi Picoult schon besser fand, ist dieser wieder ein tolles Werk und absolut empfehlenswert.

Die Geschichte bietet mehrere Knackpunkte, denn es geht nicht ausschliesslich um den Vater im Krankenbett, sondern um jedes einzelne Mitglied der Familie. Und jeder hat seine Probleme, Ansichten und Meinungen und jeder verfügt über eigene Erfahrungen und Einzelheiten, die das Puzzle komplett machen und nur im Ganzen verstanden werden können. Edward ging nach einem heftigen Streit mit seinem Vater nach Thailand und kehrt nun zurück, als seine Mutter Georgie (Ex-Frau von Luke, dem Wolfsforscher) ihn anruft und über den Unfall informiert. Georgie glaubt den Inhalt dieses Streites zu kennen und fühlt sich schuldig, muss aber verstellen, dass sie sich jahrelang geirrt hat. Edward hat sich von seinem Vater entfremdet aufgrund der Zeit im Ausland, ist nun allerdings der nächste Verwandte, der darüber bestimmen soll, ob die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden oder nicht. Cara, seine Schwester, lebte mit ihrem Vater Luke und den Wölfen und wurde ebenfalls im Unfall verletzt. Auch sie fühlt sich schuldig und ist auf ihren Bruder wütend, weil er damals einfach abgehauen hat und die Familie auseinander gerissen hat. Ausserdem hat sie - obwohl die am nahestehenste Person von Luke - keine Stimme über sein Schicksal im Krankenhaus, weil sie noch nicht volljährig ist. Georgie ist mittlerweilen verheiratet zu einem Anwalt, der nicht nur ein guter Freund von Cara ist, sondern später Edward vor Gericht vertritt. Und so verstricken sich die einzelnen Familienmitglieder immer mehr und komplizierter. 

Die Geschichte wird aus diversen Sichten erzählt und ist deshalb besonders gut gestaltet. Grosse Teile führt Edward durch seine Geschichte, aber auch Cara erzählt viel über ihr Situation und dazwischen sind immer wieder Abschnitte von Luke und sein Leben mit den Wölfen. Einzelne kleinere Kapitel werden aus Georgies Sicht oder von Nebenfiguren erzählt. Ich fand dies nicht nur interessant, sondern wichtig oder sogar ausschlaggebend, um sich ein Urteil über die ganze Situation zu bilden. Denn kennt man bloss eine Sicht, kennt man nicht die ganze Geschichte und schliesslich geht es um eine Entscheidung über Leben und Tod.

Das Thema ist offensichtlich keine leichte Lektüre und stimmt nachdenklich. Wie würde man selbst in solch einer Situation reagieren? Wie würde man entscheiden, würde dies einer unserer Familienmitglieder (hoffe ich natürlich für niemanden!) treffen? Jodi Picoult informierte sich tief über die Rechtslage (in dem amerikanischen Staat, wo die Geschichte spielt) betreffend Organspende und Komapatienten. Auch über Wölfe und ihr Verhalten wird sehr detailreich berichtet und so lernt man als Leser reichlich dazu. Ist eben wie schon andere Romane der Autorin nicht nur Unterhaltung, sondern auch lehrreich. Einer der Gründe, warum sie zu meiner Lieblingsautoren zählt.

Der Schreibstil ist jedoch diesmal etwas zäher. Trotz spannenden Elementen, packendem Thema und wie immer toll ausgearbeiteten Persönlichkeiten, wirken manche Passagen etwas lange. Wer sich für die Wölfe nicht begeistern mag und die medizinischen und juristischen Anteile etwas kompliziert findet, könnte sich an einigen Kapiteln stören oder gar langweilen. Doch ich muss sagen, dass ich mich ursprünglich auch kaum für Wölfe interessierte, mich das Rudel und die Erfahrungen von Luke begeistert in die Wildnis entführten. 



4 von 5 Lese-Echsen



Jodi Picoult wurde 1967 in Long Island, New York, geboren. Sie studierte zunächst in Princeton Kreatives Schreiben, später machte sie in Harvard einen Masterabschluss in Pädagogik. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Texterin und Lehrerin.

Bereits in Princeton lernte Jodi Picoult ihren Ehemann Tim van Leer kennen. Die beiden heirateten und während sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, schreib sie auch ihren ersten Roman, der 1992 veröffentlicht wurde. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im idyllischen Hanover, New Hampshire. Jodie Picoult schreibt ihre Bücher in ihrem Büro im Dachgeschoss ihres Hauses, wo sie mit grosser Disziplin so oft wie möglich schreibt und nur von ihren Kindern unterbrochen wird.

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