3. Februar 2017

Luis Sellano - Portugiesisches Erbe

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Autor: Luis Sellano
Titel: Portugiesisches Erbe


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453419445
Erschienen: 2016
Seiten: 368



Henrik Falkner weiss kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird. 



Schon das Cover zog mich magisch an - ein gelbes Electrico, an einer bekannten Ecke in Lissabon, einer meiner liebsten Städte. Schnell den Klappentext gelesen, der nicht nur einen Krimi, sondern auch eine verzwickte Familiengeschichte, Geheimnisse und Spannung versprach, schon war das Buch fest in meinen Händen. Bei der Lektüre ging es mir dann ähnlich: Einmal angefangen, konnte ich es nicht mehr aus den Fingern lassen, blätterte weiter bis zum Schluss und war traurig, dass es so schnell zu Ende war. Aber es gibt Hoffnung! Band 2 (Portugiesische Rache) steht schon auf meinem Merkzettel. 

Gleich mit dem ersten Satz wird man in die Geschichte gesogen, einige Seiten weiter, schon wandert man durch die Hauptstadt Portugals. Der wortspielreiche Schreibstil des Autors zeichnet schnell und gekonnt ein Bild von Lissabon, entführt in die enge Gasse des Antiquitätenladens voller KrimsKrams und seiner vielseitigen Bewohner und zeigt, dass auch der Autor der Stadt eindeutig verfallen ist und sie gut kennt. Obwohl viele touristische Plätze vorkommen, sind auch einige weniger bekanntere Strassenecken im Roman, die ich als Lissabon-Kenner dennoch mit grosser Freude wieder entdecke. Für alle anderen gibt es eine anschauliche Karte auf der Innenseite des Buchdeckels mit den wichtigsten Handlungsorten der Geschichten schon eingetragen. Solche kleinen Extras finde ich persönlich immer ein grosses Plus, auch weil ich Karten generell sehr mag.

Der Aufbau der Geschichte ist rasant. Kaum ist man angekommen, trifft man auf die ersten komischen Gestalten, schon passiert ein Unfall, der nicht ganz zufällig scheint, weitere Figuren tauchen auf und der Strudel an Geschehnissen saugt Henrik und den Leser immer tiefer in das Erbe seines Onkels. Wie Tom Hanks in der Verfilmung der Dan-Brown-Bücher, jagt der Hauptprotagonist von einem Hinweis zum nächsten, folgt mehr oder weniger freiwillig der heissen Spur und verwickelt sich immer mehr, sodass er natürlich auch selbst in Gefahr gerät (bzw. schon seit Ankunft auf der Zielscheibe einiger Personen war). So wird es auch kaum langweilig, weil immer wieder neue Wendungen der Geschichte neuen Anschub geben, neue Nebengeschichten oder grausige Details offenlegen oder Vorahnungen des Lesers neu kontextualisiert. 

Einzig an den Personen selbst hätte der Autor vielleicht noch feilen können. Trotz der Arbeit und Liebe, die er in seine Figuren  sicherlich steckte, zeigen mir einige Protagonisten doch zu viel Klischees leider. Der bunte Haufen Mitbewohner bzw. Untermieter, die Henrik in dem Gebäude des Antiquitätenladens antrifft, ist nicht nur höchst interessant gemischt, sondern vor allem ein wilder Mix aus komischen alten Kauz, künstlerischer Verschwiegenen, einer indischen Immigrantenfamilie und einem leicht reizbaren Hippie. Was nach Würze klingt, verpufft leider schnell, aber vielleicht kommen die ja nochmal auf den Plan. Weitere Nebenfiguren, wie beispielsweise die Handlanger von Henriks Gegnern, bleiben meist zweidimensional. Die Frauen, die Henrik auf seiner Suche nach Wahrheit und Vergangenheit antrifft, haben einige mir unnachvollziehbare Reaktionen, wie auch Henrik selbst. Soll er nicht ehemaliger Polizist sein? Wo hat er denn seine Instinkte gelassen, Praktiken aus seiner Polizeiausbildung? Manchmal läuft er mir zu naiv in die nächste Falle, als dass es authentisch wirkt. Auch werden die Zufälle irgendwann zu viele. Doch solange es dennoch spannend bleibt, sehe ich gerne über solche Kunstfehler hinweg. Schlecht unterhalten fühlte ich mich zumindest nie.




4,5 von 5 Lese-Echsen




Ähnliches FotoLuis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Auch wenn Stockfisch bislang nicht als seine Leibspeise gilt, liebt Sellano Pastéis de Nata (Anm. = portugiesische Vanilletörtchen) und den Vinho Verde umso mehr. Schon sein erster Besuch in Lissabon entfacht seine grosse Liebe für die Stadt am Tejo. Luis Sellano lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Regelmässig zieht es ihn auf die geliebte Iberische Halbinsel, um Land und Leute zu geniessen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. 



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