10. März 2017

Gillian Flynn - Gone Girl

Bildergebnis für gone girl gillian flynn
Autorin: Gillian Flynn
Titel: Gone Girl

Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-104-02709-8
Erschienen: 2013
Seiten: 576 (e-book)



"Was denkst du gerade, Amy?" Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?

Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichtetn, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. Dann erhält er sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy?




Ein Psychospielchen mit Startschwierigkeiten. Eine erschreckend manipulative Frau, ein für mich schwer zu verstehenden Mann, viele Gerüchte, Geschichten und Sensationslust. Ein grosser, wahnsinniger Plan, der Vorbereitung und Aufbau benötigt - ein Roman mit Ecken und Kanten, der erst einmal von weit her Schwung holen musste.

Ganz ehrlich, war der Roman für mich ein stetes Auf und Ab. Ein hochgelobtes Buch, das ich erst Jahre später las (einfach weil ich aus Trotz nicht immer gleich das Neuste vom Neusten lese, besonders wenn solch ein Hype gemacht wird). Erst fing ich mit zu hohen Erwartungen daran, schliesslich lobten alle die Spannung, die geschliffenen Details und den Thrill dabei. Das Pendel holte weit aus und schleuderte zurück - und mich direkt in eine Leseflaute. Wo blieb die Spannung? Die ersten gut hundert Seiten waren Alltagskram zwischen Eheleuten, die Frau verschwand, aber sonst nichts Aufregendes, kein mitreissendes Lesevergnügen wie erhofft. Ich liess das Buch liegen, fing ein anderes an oder las zeitweise sogar gar nichts. Dann juckte es mich plötzlich wieder, schliesslich musste ich wissen, wo Amy ist, was mit ihr passierte und wie es mit Nick weitergeht. 

Nach der ersten harzigen Phase, durch die man einfach durchhalten muss, kommt die Geschichte langsam in Fahrt. Und dann Peng! Ungefähr in der Mitte des Romanes ein Plot Twist vom Feinsten. Eine Stimme, die die komplette Geschichte um 180 Grad dreht. Plötzlich ist das Spannung, Aufregung, mitreissendes Lesevergnügen. Plötzlich machen diverse Dinge mehr Sinn, man wittert Verrat, hofft auf mehr Rätsel und deren Auflösung, das Herz pumpt im Rhythmus des schneller werdenden Umblätterns. Ohne spoilern zu wollen, doch ich kann es mir nicht verkneifen: Nick tut mir Leid. Das ganze Buch durch. Aus immer mal wechselnden Gründen. Amy mag ich nicht. Am Schluss bin ich sogar richtig wütend auf sie - obwohl sie ja anfangs das Opfer ist! Aber zu viel gesagt...

Eine Geschichte, die irgendwie zeitlos und erschreckend real ist bzw. sein kann. Ein Schreibstil, der erst wie ein ungefährlicher Bach daher kommt, bis man erschreckt feststellt, dass man in die Strömung eines grösseren Flusses geraten ist. Ein Haufen Protagonisten, die echte Gefühle wecken - positive wie negative. Mal war ich wütend mit jemanden, dann auf jemanden. Ich freute mich mit jemanden und für jemanden, nur um denjenigen einige Seiten weiter nichts Gutes mehr zu wünschen. Einige Figuren konnte ich sehr wohl verstehen, mich mit ihnen und ihren Reaktionen identifizieren. Andere waren und blieben mir komplett fremd, auch wenn sie sehr authentisch wirkten. Wie im wahren Leben hatte ich für die einen Personen mehr Sympathie und für andere eben weniger. Aber in diesem Fall kann man sich nie sicher sein, welche Sympathien gesund sind.

Mit dem Ende bin ich ziemlich unzufrieden, ja sogar ein Stück wütend. Es ist zu lasch, zu einfach. Seit die Geschichte an Spannung übersprudelte, wartete ich stets auf die grosse Bombe, den ultimativen Knall, bis zuletzt. Doch da war bloss heisse Luft. Irgendwie sehe ich darin das böse Vergnügen der Autorin, eben nicht das Ende zu schreiben, das die Leser nach solch einer Geschichte wohl erhoffen. Einfach nur um gegenzusteuern. Nennt man das jetzt künstlerische Freiheit? Oder einfach eine Frechheit? Meiner Meinung nach, ist es nicht nur der Wunsch eines anderen Endes, sondern ich finde, dass gewisse Figuren ein anderes Ende verdient haben. 

Falls diese Beschreibungen nun etwas komisch wirken und nur wenig Sinn ergeben, tut es mir Leid. Ich versuche immer, nicht oder möglichst wenig zu spoilern. Wen es nun (noch mehr) juckt, das Buch auch endlich zu lesen, falls ihr es noch nicht kennt: Lest es. Ich kann es empfehlen, auch wenn der Anfang ein gutes Stück Durchhaltevermögen benötigt. 

PS: Das Buch wurde mittlerweile schon verfilmt und natürlich muss ich mir den Film dazu anschauen. Ich kann mir die Geschichte nämlich sehr wohl spannend verfilmt vorstellen. Mal schauen, ob dort der Anfang auch so zäh ist ;)


4 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für gillian flynnGillian Flynn wuchs in Kansas City aus. Sie arbeitete als Journalistin für den "San Francisco Examiner" und "US News & World Report" und war die leitende TV-Kritikerin von "Entertainment Weekly". Die Autorin lebt nach Stationen in Los Angeles und New York heute mit Mann, Kind und Katze in Chicago.

1 Kommentar:

BeautyChemCam hat gesagt…

Also ich habe nur den Film gesehen, war aber stinkwütend über das Ende. Also mein Feministenherz hat arg geblutet und ich finde, so ein Film macht viel kaputt. Ich bin gespannt, wie du den Film im Vergleich findest. Ich weiß nämlich nicht, inwieweit das Ende gleich ist.

LG Kitty von dasKaminzimmer.blogspot.com

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