8. Mai 2017

Martha Grimes - Das Mädchen ohne Namen



Autorin: Martha Grimes
Titel: Das Mädchen ohne Namen


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-46492-0
Erschienen: 2001
Seiten: 416





Als die 17-jährige Andi in einer Pension irgendwo in New Mexico erwacht, ist sie entsetzt. Denn sie kann sich an nichts mehr erinnern: die letzte Nacht, ihre Herkunft, ihr Name, alles scheint wie ausgelöscht. Angst macht ihr auch die Auskunft der redseligen Wirtin, sie sei am Abend zuvor mit ihrem "Daddy" angereist. Instinktiv spürt Andi, dass von diesem Mann, der behauptet ihr Vater zu sein, höchste Gefahr ausgeht. Andy ergreift die Flucht. Doch nach einer Weile fasst sie gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Mary einen mutigen Entschluss: Sie vertauscht die Rollen und wird selbst zur Jägerin...


Eine Road-Geschichte, die viel Spannung, ein Geheimnnis und Abenteuer verspricht. Abenteuer waren es viele, ein Geheimnis auch, aber die Spannung war meist tot. Und aus weiteren Gründen, die ich folgend gleich erklären möchte, war dies leider mein Jahresflopp 2017.

Der Schreibstil an sich kann ich nicht bemängeln, denn er liest sich ziemlich leicht und fliessend. Er glänzt nicht von literarischer Brillianz, doch die Autorin bedient sich einiger sehr schöner Metaphern, was mir bei Beschreibungen besonders gefällt. Das Cover möchte ich nicht bewerten. Nur soviel: Ich habe es für die Buchchallenge 2017 von Mandy gelesen, bei der ich dabei bin, und dort werde ich das Buch für den Punkt "hässlichstes Cover" abbuchen, sorry. Was die Schatten zweier Plastikgartenstühlen überhaupt bedeutet soll, bleibt mir schleierhaft.

Zur Geschichte: Andi trifft Mary in einer Apotheke, in der Nacht. Diese erste Begegnung fand ich sehr gelungen und bis dahin gefiel mir der Roman auch sehr gut. Auch als die beiden auf die Suche dieses Mannes ohne Gesicht und Namen gehen, kam das Abenteuer langsam ins Rollen. In wenigen Kapiteln wird man manchmal in die Vergangenheit geführt und erfährt mehr über die Suche von Andi nach ihrer Herkunft, jedoch nie weiter zurück als die Pension, denn sie erinnert sich scheinbar nicht nur an jene Nacht nicht mehr, sondern auch an ihr komplettes Leben davor nicht. Diese wagemutige und etwas unwirkliche Reise mit unbenannten Ziel führt sie an verschiedene Orte mit verschiedensten Erlebnisses. Was mir am Ende des Buches in Erinnerung bleibt: Es sind alles Abenteuer, bei denen Andi und Mary etwas Böses wieder gut herrichten oder zumindest helfen wollen. Kojoten aus Schnappfallen retten, verhungernde Hunde vor schlechten Besitzern und illegalen Hundekämpfen retten, einen korrupten Tierarzt verklagen, einem dubiosen Geschäftsbesitzer das Handwerk legen, eine illegale Wildkatzenfarm schliessen lassen, Kinderpornografie in einem Fall unterbinden... die Liste scheint ein Wirrwarr aus Themen, die die Autorin wohl nicht mag und Aufmerksamkeit darauf richten möchte. Dies an sich finde ich ja löblich, nur der Geschichte hilft es überhaupt nicht, weil es Andi nicht weiterbringt. Die meisten Abenteuer sind Etappen auf einer Reise, die auch ganz komisch endet und mich mit Fragen zurück lässt. Als wäre der Autorin nach vielen Stunden schreiben einfach kein tolles Ende eingefallen, aber all die unschönen Themen wurden ins Reine geschrieben. 

Dieses scheinbar kaum zusammenhängende Chaos aus unliebsamen Themen verdarb mir die Lektüre. Andi scheint nur auf Ärger aus und nicht nach ihrer Herkunft. Meist machten ihre Aktionen und Reaktionen wenig Sinn für mich. Mit Mary hingegen konnte ich mich schon eher identifizieren und mitfühlen. Allerdings soll diese 14-jährig sein, die sich aber als 16-jährige ausgibt, die schon Auto fahren kann und ziemlich erwachsen tut. Viel zu erwachsen und überlegt, als dass es authentisch wirkt. Das gleiche gilt für Andi. Nebenfiguren waren mir durch die Bank durch nicht sehr sympathisch, bis auf eine Person. Dies ist allerdings auch nicht besonders verwunderlich, wenn man den Haufen krimineller Saufburschen in dem Buch, eine ungewaschene Familie und ein paar stereotyp-gezeichnete Frauen auf die Liste setzt. 

Der Roman hätte grundsätzlich Potential, ab und zu Spannungsmomente und durchaus einen brauchbaren Plot. Doch die Autorin hat sich hier irgendwie verschrieben, unfokussiert, ungewollt und am Ende bleibt das grosse Geheimnis nur teilweise gelüftet, was mich erst recht unzufrieden zurück liess. 

Ein guter Drittel des Buches geht es übrigens auch um Wildwasser-Rafting. Wer also daran Interesse hat, zwei Mädels auf Problem-Suche und eine nicht sehr authentische, aber abwechslungsreiche Roadgeschichte... der ist hier sicherlich gut bedient. Mich hat es in eine 1-monatige Leseflaute gestürzt.



0.5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für martha grimesMartha Grimes wurde in Pittsburgh geboren und studierte an der University of Maryland. Sie unterrichtete lange Zeit kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University und lebt heute abwechselnd in Washington, D.C. und in Santa Fe, New Mexico. 







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