20. August 2017

Mördermädchen - Elizabeth Little

Titel: Mördermädchen
Autorin: Elizabeth Little


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442483471
Erschienen: 2015
Seiten: 448




Janie Jenkins hat alles: Ruhm, Geld und gutes Aussehen. Doch dann wird ihre Mutter ermordet - und alle Beweise sprechen gegen sie. Das Problem: Janie kann sich selbst nicht daran erinnern, was in jener Nacht geschehen ist. Als sie zehn Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wird, macht sie sich auf die verzweifelte Suche nach der Wahrheit. Eine Spur führt sie in die kleine Stadt Adeline in South Dakota, wo sie unter falscher Identität Stück für Stück die Vergangenheit ihrer Mutter entschlüsselt. Warum musste diese sterben - und trägt Janie tatsächlich Schuld an ihrem Tod?



Ein frecher Schreibstil, eine Stadt im Nirgendwo, die ganze Presse hinter einer jungen Frau, die selber nicht mehr weiss, ob sie ihre Mutter ermordet hat oder nicht und die Jagd ist programmiert. 

Der Klappentext konnte mich gleich packen, der Inhalt distanzierte sich von vielen anderen Romanen im Regal und das Cover hatte sofort meine Aufmerksamkeit. Die Geschichte wird zwar als Roman deklariert, hat aber definitiv Krimi- und Thriller-Elemente mit dabei, die dem ganzen etwas Pfeffer geben. Ich war sehr darauf gespannt und habe ziemlich schnell angefangen zu lesen. Zuerst war vieles wie erwartet, doch dann hat sich die Atmosphäre leicht verändert, der Fokus leicht verschoben. Nach einer gewissen Zeit bzw. Seitenzahl geht es nämlich nicht mehr nur um die Frage, ob sie ihre Mutter getötet hat und falls nicht, wer war es dann... sondern es wird die komplexe Frage aufgerollt, wer Janies Mutter überhaupt war, denn darüber ist sich die eigene Tochter irgendwann nicht mehr sicher. 

Obwohl rechtsmässig aus dem Gefängnis verlassen, gibt es noch immer Leute, die Janie für eine Mörderin halten und online nun eine Jagd anzetteln, wordurch sie nach Adeline flüchtet und sich dort einer falschen Identität bedient. Das verstärkt das Bild der Mörderin allerdings nur mehr, ohne dass wir wissen, was dazumal überhaupt geschehen ist. Auch war mir Janie anfangs eher wenig sympathisch, durch den Roman wurde sie aber immer sympathisch, weil sie irgendwie menschlicher wurde. Anfangs empfand ich sie zu sehr als Glamour-Girl-Tussi, doch dann kam sie aus dem Gefängnis als taffe Knastbraut, was irgendwie nicht zu ihren 26 Jahren und vorherigem Luxusleben passt. Ihre falsche Identität ist dann die dritte Persönlichkeit, die ich ihr nicht ganz abkaufen möchte und manchmal etwas gekünstelt wirkte, sodass ich doch die Mischung ihrer Identitäten irgendwann interessant und sympathisch fand. Ausserdem konnte ich mich immer besser in sie versetzten im Verlauf ihrer Ermittlungen bezüglich ihrer Mutter, ihrer Zukunft und der damaligen Nacht.

Die Nebenfiguren waren mir zum Grossteil unsympathisch oder einfach zu wenig interessant, manche sogar zu plakativ. Abgesehen von einer Hand voll Personen, waren sie einfach Figuren im Spiel, mehr oder weniger wichtige Teile der Geschichte, aber nicht weiter faszinierend. Erfrischend fand ich hingegen den Schreibstil. Hier und da benutzte Janie eine sehr junge, freche Sprache, schwarzer Humor, Ironie und Sarkasmus fliessen ihr wohl im Blut - aber genau sowas liebe ich zu lesen! An einigen Stellen könnte es jedoch etwas aufgesetzt wirken für den einen oder anderen Geschmack. Ich kann zwar nicht erklären warum, aber an einigen Stellen konnte ich mir Cara Delevigne hervorragend in der Buchverfilmung vorstellen. Und das, obwohl ich kein grosser Fan von ihr bin.

Der Spannungsbogen hält sich gut von Anfang bis Ende. Dazwischen gibt es mehrere kleinere Kapitel, die etwas langatmiger waren und ich mich fragte, wo das Ganze noch hinführen möchte. Doch zum Schluss wird es wieder rasant und das Finale war doch ziemlich unvorhersehbar. Was ich schade fand, ist die Tatsache, dass vieles bezüglich der Mordnacht nicht konsequent aufgelöst wurde. Einige Dinge wurden konkret genannt, andere Rätsel konnte man zwischen den Linien lösen, aber doch einiges blieb ungeklärt betreffend dem Mord. (Oder habe ich das vielleicht überlesen?) Dafür wurden viele Antworten auf die vielen neuen Fragen gegeben, die im Verlauf des ganzen Familiendrama aufgewickelt wurden.

Die Mischung macht's ! In diesem Fall ein Roman mit Teilen aus Krimi, Thriller, High Society und Glamour sowie Familiengeheimnisse.


4 von 5 Lese-Echsen



Elizabeth LittleElizabeth Little ist in St. Louis geboren und aufgewachsen. Sie studierte an der Harvard University und veröffentlichte Artikel in der New York Times und dem Wall Street Journal. 
Nach zwei Sachbüchern wurde ihr Debütroman auf Anhieb ein Los Angeles Times Bestseller. Elizabeth Little lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.

Mehr auf: Elizabeth Little

7. August 2017

Simone Jöst - Die Oma und der Punk



Autorin: Simone Jöst
Titel: Die Oma und der Punk


Verlag: dotbooks Verlag
ISBN: 978-3-9582-4792-5
Erschienen: 2016
Seiten: 343 (E-Book)





Für Abenteuer ist man nie zu alt !

Oma Emma hat die Nase voll. Erst vertreibt ihre geldgeile Familie sie aus ihrer Villa und nun soll sie in dieser "Seniorenresidenz" versauern. Kurz entschlossen haut sie ab - und trifft Jule, eine... nun ja, extrovertierte junge Frau mit bunten Rastalocken und schweren Stiefeln. Mangels Alternativen folgt Emma ihr in deren WG. Schlimmer kann das alles ohnehin nicht mehr werden, glaubt sie. Falsch gedacht! Denn Jule nimmt es mit Recht und Ordnung nicht immer ganz genau und so schlittern die beiden von einem Abenteuer ins nächste.



Eine kleine Glücksperle, die ich als Schnäppchen erstanden habe. Ein lustiger Titel, ein vielversprechender Klappentext und Lust auf leichte Lektüre verführte mich in die schräge Welt von Emma und Jule und ich habe die beiden ins Herz geschlossen.

Ein verrücktes Duo, das nicht unterschiedlicher sein könnte. Natürlich bedient sich die Autorin an Klischees - zu den schweren Stiefeln und den bunten Rastalocken kommt eine Vorgeschichte auf der Strasse, ein loses Mundwerk und viel billiger Schmuck. Zur Oma, die aus der Seniorenresidenz abhaut, kommen die extrem guten Manieren, biedere Kleidung und lieb gemeinten Ratschläge. Und doch entwickeln sie sich entgegen der Klischees: Jule zeigt Moral und Manieren, Oma Emma verwandelt sich in einen Teilzeit-Hippie und Hobbydetektivin. Hinzu kommen Mitbewohner der unterschiedlichsten Art in der WG, die Familie von Emma und eine Handvoll Schurken, die den beiden nichts Gutes wollen.

Der Schreibstil zeichnet sich meiner Meinung besonders durch die Dialoge aus. Jules Mundwerk schreckt nicht vor Fluchwörtern und frechen Ansagen zurück. Aber auch Emma hat super Antworten auf Lager und auf jeder Seite kommt ein Spritzer Humor dazu - genau im richtigen Mass. Die Geschichte wechselt von gefühlvoll über spannend-rasant zu traurig, wütend, witzig und nachdenklich. Ein Hin und Her, so dass es niemals wirklich langweilig wird, aber immer glaubwürdig bleibt. Manchmal war der Wechsel jedoch sehr abrupt, worüber ich beim Lesen stolperte und die Handlung ganz kurz an Authentizität verlor,  aber es genauso schnell wieder wett machte mit der nächsten Aktion. 

Die Figuren sind eine liebevolle Mischung aus Klischee auf die Spitze getrieben und frischem Wind,als Anti-Stereotyp, was die Personen gleichzeitig bekannt und aufregend gestaltet. Wenn man denkt, man kennt den nächsten Schritt, kommt doch noch etwas Verrückteres um die Ecke. Wenn man meint, man hat die Figur schon durchschaut, zeigt sie dir plötzlich eine ganz andere Seite. 

Als ich schon meinte, die Erzählung wird unnötig verzögert, entzückte mich dennoch der Umweg, eine kleine Zwischengeschichte, die ganz zum Schluss doch ihren rechten Platz im ganzen Roman hatte. Das war wohl generell das Hauptproblem mit diesem Buch: Nicht voreilig urteilen. Wie oft dachte ich "was soll das jetzt wieder? Was tut dies zur Geschichte?" oder auch "ist dieses Verhalten der Person xy überhaupt logisch oder schon zu gekünstelt?" wurde ich abgelenkt durch die wohl einfachste Erklärung: "Ach egal, macht trotzdem Spass". Und genau so sollte man wohl die Geschichte lesen: Nicht gross hinterfragen oder urteilen, einfach lesen und amüsieren. Ideale Lektüre für Ferien, egal ob Strand, Stadtpark oder Balkonien. 

Anscheinend soll es auch eine Fortsetzung geben: eine heisse Spur. Mal schauen, ob ich mir den auch noch kaufe. Lust, dass mit Emma und Jule in die nächste verrückte Geschichte mitreissen hätte ich ja.



4,5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für simone jöstSimone Jöst lebt im Odenwald. Beflügelt von der Lust, sich ständig neue Geschichte auszudenken, stolperte sie beinahe zufällig in das Krimigenre. Seitdem publizierte sie zahlreiche Krimi-Kurzgeschichten und arbeitete als freie Mitarbeiterin in einem kleinen Verlag. Sie ist Herausgeberin diverser Krimianthologien und liebt nichts mehr als schwarzen Humor und weisse Schokolade.
Mehr zu den Emma-Jule-Büchern und die Autorin auf: Simone Jöst