7. August 2017

Simone Jöst - Die Oma und der Punk



Autorin: Simone Jöst
Titel: Die Oma und der Punk


Verlag: dotbooks Verlag
ISBN: 978-3-9582-4792-5
Erschienen: 2016
Seiten: 343 (E-Book)





Für Abenteuer ist man nie zu alt !

Oma Emma hat die Nase voll. Erst vertreibt ihre geldgeile Familie sie aus ihrer Villa und nun soll sie in dieser "Seniorenresidenz" versauern. Kurz entschlossen haut sie ab - und trifft Jule, eine... nun ja, extrovertierte junge Frau mit bunten Rastalocken und schweren Stiefeln. Mangels Alternativen folgt Emma ihr in deren WG. Schlimmer kann das alles ohnehin nicht mehr werden, glaubt sie. Falsch gedacht! Denn Jule nimmt es mit Recht und Ordnung nicht immer ganz genau und so schlittern die beiden von einem Abenteuer ins nächste.



Eine kleine Glücksperle, die ich als Schnäppchen erstanden habe. Ein lustiger Titel, ein vielversprechender Klappentext und Lust auf leichte Lektüre verführte mich in die schräge Welt von Emma und Jule und ich habe die beiden ins Herz geschlossen.

Ein verrücktes Duo, das nicht unterschiedlicher sein könnte. Natürlich bedient sich die Autorin an Klischees - zu den schweren Stiefeln und den bunten Rastalocken kommt eine Vorgeschichte auf der Strasse, ein loses Mundwerk und viel billiger Schmuck. Zur Oma, die aus der Seniorenresidenz abhaut, kommen die extrem guten Manieren, biedere Kleidung und lieb gemeinten Ratschläge. Und doch entwickeln sie sich entgegen der Klischees: Jule zeigt Moral und Manieren, Oma Emma verwandelt sich in einen Teilzeit-Hippie und Hobbydetektivin. Hinzu kommen Mitbewohner der unterschiedlichsten Art in der WG, die Familie von Emma und eine Handvoll Schurken, die den beiden nichts Gutes wollen.

Der Schreibstil zeichnet sich meiner Meinung besonders durch die Dialoge aus. Jules Mundwerk schreckt nicht vor Fluchwörtern und frechen Ansagen zurück. Aber auch Emma hat super Antworten auf Lager und auf jeder Seite kommt ein Spritzer Humor dazu - genau im richtigen Mass. Die Geschichte wechselt von gefühlvoll über spannend-rasant zu traurig, wütend, witzig und nachdenklich. Ein Hin und Her, so dass es niemals wirklich langweilig wird, aber immer glaubwürdig bleibt. Manchmal war der Wechsel jedoch sehr abrupt, worüber ich beim Lesen stolperte und die Handlung ganz kurz an Authentizität verlor,  aber es genauso schnell wieder wett machte mit der nächsten Aktion. 

Die Figuren sind eine liebevolle Mischung aus Klischee auf die Spitze getrieben und frischem Wind,als Anti-Stereotyp, was die Personen gleichzeitig bekannt und aufregend gestaltet. Wenn man denkt, man kennt den nächsten Schritt, kommt doch noch etwas Verrückteres um die Ecke. Wenn man meint, man hat die Figur schon durchschaut, zeigt sie dir plötzlich eine ganz andere Seite. 

Als ich schon meinte, die Erzählung wird unnötig verzögert, entzückte mich dennoch der Umweg, eine kleine Zwischengeschichte, die ganz zum Schluss doch ihren rechten Platz im ganzen Roman hatte. Das war wohl generell das Hauptproblem mit diesem Buch: Nicht voreilig urteilen. Wie oft dachte ich "was soll das jetzt wieder? Was tut dies zur Geschichte?" oder auch "ist dieses Verhalten der Person xy überhaupt logisch oder schon zu gekünstelt?" wurde ich abgelenkt durch die wohl einfachste Erklärung: "Ach egal, macht trotzdem Spass". Und genau so sollte man wohl die Geschichte lesen: Nicht gross hinterfragen oder urteilen, einfach lesen und amüsieren. Ideale Lektüre für Ferien, egal ob Strand, Stadtpark oder Balkonien. 

Anscheinend soll es auch eine Fortsetzung geben: eine heisse Spur. Mal schauen, ob ich mir den auch noch kaufe. Lust, dass mit Emma und Jule in die nächste verrückte Geschichte mitreissen hätte ich ja.



4,5 von 5 Lese-Echsen




Bildergebnis für simone jöstSimone Jöst lebt im Odenwald. Beflügelt von der Lust, sich ständig neue Geschichte auszudenken, stolperte sie beinahe zufällig in das Krimigenre. Seitdem publizierte sie zahlreiche Krimi-Kurzgeschichten und arbeitete als freie Mitarbeiterin in einem kleinen Verlag. Sie ist Herausgeberin diverser Krimianthologien und liebt nichts mehr als schwarzen Humor und weisse Schokolade.
Mehr zu den Emma-Jule-Büchern und die Autorin auf: Simone Jöst

1 Kommentar:

Der Duft von Büchern und Kaffee hat gesagt…

Hallo Mona,
allein die Inhaltsangabe klang nach einem sehr lustigen und unterhaltsamen Buch. Jule und auch Oma Emma möchte man da sofort einmal persönlich kennenlernen.

Zwar ist es etwas schade, dass der Plot manchmal seinen roten Faden verliert, aber irgendwie spricht mich der Rest sehr an.

Eine sehr schöne Rezension, die meine Neugierde auf das Buch geweckt hat :o)

Ganz liebe Grüße
Tanja