14. September 2017

Mary Higgins Clark - Denn vergeben wird dir nie

Autorin: Mary Higgins Clarke
Titel: Denn vergeben wird dir nie

Verlag: Heyne
ISBN: 9783641100780
Erschienen: 2013
Seiten: 290



Ellie Cavanaugh ist ausser sich, als der Mörder ihrer Schwester vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Zumal er nach wie vor behauptet, unschuldig verurteilt worden zu sein. Ellie war seit dem Geschehen zwanzig Jahre zuvor fest von seiner Schuld überzeugt. Jetzt will sie endgültig den Beweis dafür erbringen.




Eine tragische Familiengeschichte, deren Scherben Ellie heute aufsammelt. Ein Drama, das ihr Leben zeichnet und sie bis heute nicht los lässt. Eine Geschichte in der Vergangenheit, die aufgrund der Freilassung des Mörders auch heute wieder brennend interessiert - denn, ist er wirklich der Mörder oder Opfer seines schlechten Rufes? Oder wer sonst hätte Andrea, Ellies Schwester, umgebracht? Ist Ellie zurecht besorgt oder von ihren Albträumen geblendet?

Der Schreibstil liest sich sehr flüssig und besonders zu Anfang war der Roman ein toller Pageturner. Man ist sofort im Geschehen, die Rückblende zum Abend des Mordes setzt den Leser gleich über vieles in Kenntnis und man gewinnt schnell ein Bild von der Situation und den Hauptfiguren. So war mir Ellie auf Anhieb sympathisch und ihre Handlungen absolut logisch, zumal sie Langzeit-Opfer ist dieser ganzen Tragik. Ihre geliebte Schwester wurde ermordet als sie noch recht klein war und dazu war es Ellie, die auch noch die Leiche fand. Ihre Mutter kam mit dem Tod ihrer Tochter nicht zurecht, der Vater entfernte sich, die Familie brach auseinander und Ellie macht sich seit diesem grausamen Abend Vorwürfe, die sich niemand wünscht. Es ist somit nur verständlich, dass sie den Mörder nicht wieder frei wissen möchte und das mit allen Mitteln zu verhindern versucht.

Mit der Zeit wird mir Ellie jedoch zu fanatisch, zu gezielt mit ihrem Hass auf den Mörder. Denn tatsächlich gibt es Indizien, dass es doch jemand anderes hätte sein können. Ihr Verhalten wird mir persönlich zu egoistisch und zeigt, dass sie klar ein emotionales Opfer der Angelegenheit ist, geblendet von ihrer eigenen Trauer. Denn erst am Ende merkt sie, dass auch andere trauern, dass auch andere Personen unter den Umständen gelitten haben und noch immer leiden. Aber eben auch, dass nicht alle diese leidenden Personen auf ihrer Seite stehen, sondern auch unter Ellies Verhalten leiden. Obwohl mir Ellie damit immer unsympathischer wurde, fand ich es interessant, wie die Geschichte aufzeigt, welche Auswirkungen wir alle auf das Leben anderer haben. Auch wenn wir etwas gut meinen oder mit Recht handeln, kann dies für andere unfaire Konsequenzen haben.

Dazu kommen verschiedene Nebengeschichten, die sehr interessant waren, dann aber leider nur kurze Erwähnung fanden. Was ich sehr schade fand, war die Tatsache, dass diese Nebengeschichte nur soweit vertieft wurden, wie sie Indizien für Ellie lieferten. Besonders in der zweiten Hälfte des Romanes kamen noch immer neue Personen und Geschichten hinzu, allerdings nur noch, um den Strick um den Hals des Mörders enger zu knüpfen und Ellie Antrieb zu geben. Dies bewirkte jedoch, dass ich davon leicht gelangtweilt wurde. Nicht, weil die Nebengeschichten langweilig waren, aber weil sie sehr konstruiert wirkten, einfach um in die Geschichte zu passen. Als hätte die Autorin alle Mittel benutzt, um die Erzählung zu ihrem geplanten Schluss zu führen und auf dem Weg die Hingabe für den Weg selbst verloren. Die Details passten zu genau, die Zufälle schienen nicht mehr zufällig, es war immer mehr: Team Ellie gegen die Familie des Mörders.

Das Ende war dann dennoch spannend und toll, weil überhaupt nicht so erwartet. Zwar kam es doch zu einer Art "Happy End" für Team Ellie, aber eben auf einem Weg, den ich so nicht erwartet hätte. Auffällig fand ich, dass das Ende relativ kurz und knackig daherkam, vielleicht auch, weil ich mich davor noch ein wenig langweilte und plötzlich alles aufgelöst werden musste. Ich hatte den Eindruck eines aufgeschreckten Hundes, den man aus dem Schlaf riss und der nun wütend bellt und mit den Zähnen knirscht. 

Grundsätzlich kein schlechter Roman, tolle Figurenentwicklung und gekonnte Verflechtung diverser Geschichten. In diesem Fall jedoch einige kleine Abzüge für die mangelnde Authentizität, weil leider doch etwas gekünstelt gegen Ende und weil ich mir den Schluss etwas anders gewünscht hätte.




3,5 von 5 Lese-Echsen




Ähnliches FotoMary Higgins Clark, geboren 1928 in New York, wuchs in der Bronx auf. Ihr Vater starb, als sie kaum elf Jahre alt war. Die Mutter zog sie und ihre beiden Brüder allein gross. Nach der Highschool machte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und war drei Jahre in einer Werbeagentur tätig, bevor sie das Reisefieber packte und sie ab 1949 als Stewardess für PanAm arbeitete. Ein Jahr später heiratete sie ihren Nachbarn Warren Clark. Kurz nach ihrer Hochzeit begann sie, Erzählungen zu schreiben Sie verkaufte die erste im Jahr 1956 für 100 Dollar an eine Zeitschrift. Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes im Jahr 1964 verfasste sie bald ihr erstes Buch, einen biographischen Roman über George Washington. Sie schrieb immer morgens zwischen 5 und 7 Uhr, bevor die 5 Kinder zur Schulen mussten. Der erste Kriminalroman "Wintersturm" (1975) bedeutete einen Wendepunkt in ihrem Leben und in ihrer Karriere: Er wurde zum Bestseller. Neben dem Schreiben studierte sie Philosophie und schloss 1979 ihr Studium mit Summa cum laude ab.
1966 heiratete sie nochmals und lebt heute in Saddle River, New Jersey.

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