9. Oktober 2017

W.J. Kreftin - Aschekinder

Autor: W.J. Kreftin
Titel: Aschekinder

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1537529059
Erschienen: 2016
Seiten: 286




Ein schrecklicher Vorfall ereignet sich in der australischen Kleinstadt Swann Hill: Vier Jugendliche gehen über den Wechsel ins neue Jahrtausend im Busch zelten und verschwinden spurlos. Während ein teil der gespaltenen Bevölkerung an ein tragischen Unglück glaubt, sind andere von einem Gewaltverbrechen überzeugt. Das Verschwinden der Jugendlichen wird jedoch nie aufgeklärt.

Gegenwart: 15 Jahre später erleidet eine Mutter aus Swann Hill einen Nervenzusammenbruch. Sie schwört darauf, eines der 1999 verschwundenen Kinder als Erwachsenen in Melbourne wiedererkannt zu haben. Niemand glaubt der psychisch labilen Frau. Bis die Londoner Polizistin Rachel Buchanan, die an einem Polizeiaustausch teilnimmt, sich bereit erklärt, den alten Fall noch einmal aufzurollen. In Swann Hill stösst die Ermittlerin auf Widersprüche - und eine Menge Menschen, die offenbar kein Interesse daran haben, dass der Fall aufgeklärt wird. Unbeirrt und von einer Frage besessen, forscht Rachel weiter: Was ist mit den Jugendlichen passiert? 

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und zeigt schonungslos die dunkle Seite Australiens.




Toller Plot, lahme Umsetzung. Langsamer Start, schnelles Ende. Schauplatz, Ereignis und Schreibstil des Autores wären eigentlich interessant, doch der Aufbau und Ablauf der Geschichte war nach kurzer Zeit zu vorhersehbar und somit war schnell die Luft draussen.

Diese Geschichte las ich als E-Book und habe es mir heruntergeladen, weil es sehr gute Bewertungen hatte und gerade günstig angeboten wurde. Schnell begann ich zu lesen und kam auch leicht in den Lesefluss. Es wird abwechselnd im Heute und Damals (1999/2000) erzählt und anfangs auch die Vorgeschichte von Rachel Buchanan, die in London ihren kleinen Sohn bei einem Autounfall verliert. So gewann ich erst den Eindruck, dass sich das Buch in mehrere Schichten aufteilen wird und deshalb interessant wird. Doch die Ereignisse verknüpfen sich zu schnell und zu reibungslos ineinander, dass schliesslich alles auf das Eine hinausläuft. Die Spannung ist raus, bevor sie richtig steigen konnte. Das Ende ist keine Überraschung mehr und der Weg dahin so geradlinig wie ein Lineal.

In Anbetracht, dass die Geschichte auf einem wahren Fall basiert, bin ich zum einen traurig für die früh verstorbenen Seelen und wütend über die Schandtat anderer. Bezüglich des Buches, bin ich enttäuscht, dass aus einer solchen interessanten Geschichte nichts Spannenderes entsprang. Da spart sich der Autor sozusagen die Arbeit, einen kompletten Plot auszudenken wie bei fiktiven Werken und bekommt die Sache nur so hingemurkst interessant hin? Schade. Als Film könnten das traurige Ereignis mit dem richtigen Regisseur sicher einen spannenden Schauerfilm (besonders für die Silvesternacht) abgeben, doch als Buch hat es mit diesem Autor leider nicht funktioniert.

Die Figuren waren teils sehr sympathisch, teils sehr unsympathisch. Leider ist besonders die Hauptprotagonistin Rachel mir eher negativ aufgefallen, als dass sie mich begeistern konnte. Eigentlich läuft sie nur durch Swann Hill und ist wie ein Wunder immer im perfekten Moment am richtigen Ort. Und dann tauchen an den einfachsten Orten starke Indizien auf, die sicherlich vor 15 Jahren von vielen Polizisten schon brennend untersucht wurden (aber damals nichts fanden?!). Das ist nicht nur fehlende Authentizität, sondern schlicht lächerlich. Die Zahnräder klicken weiter perfekt ineinander und die Ereignisse werden immer vorhersehbarer. Ich bekam den Eindruck, dass der Autor in der ersten Hälfte um den heissen Brei redet, Figuren aufbauen möchte, Spannung sucht... und dann im letzten Drittel sich erinnert, dass er das Ganze noch auflösen müsste und dann einfach alles aneinander reiht, ohne Fantasie oder Witz. 

Ein Beispiel dafür ist, als Rachel aus dem Nirgendwo die Idee bekommt, sie muss auf dem alten Grundstück buddeln, auf dem eine Gedenkstatue für die Jugendlichen steht. Und prompt findet sie dort das grosse fehlende Puzzleteil. Doch dass die Errichtung und polizeiliche Bewachung dieser Gedenkstätte zuvor während 15 Jahren nie verdächtig war, aber jetzt plötzlich. Und dass die Polizei antrabt, als Rachel dort buddelt, sie aber scheinbar überrascht ist und sich sogar im Recht fühlt auf privaten Grund an einer Gedenkstätte ohne Bewilligung zu buddeln... Also, was für eine Polizistin ist das bitte? Wo hat die ihren Ausweis bekommen? Dem Jahrmarkt? Spätestens bei dieser Szene ist die Glaubwürdigkeit kaputt. Und darunter litt das gesamte Buch.

Wie ich später herausfand, gibt es einen Folgeband namens "Aschemädchen", der trotz des ähnlichen Namens nicht mehr mit den 4 Jugendlichen und Swann Hill zu tun hat, aber mit Rachel. Ein neuer Fall für die Austauschpolizistin in Australien. Ein neuer Fall, doch auch wenn eine ganze Serie daraus wird... ohne mich. Ein Buch hat gereicht, ein weiteres dieses Autores hat jeden Reiz für mich verloren.



2 von 5 Lese-Echsen




W.J. KreftingWilhelm J. Kreftin (Pseudonym) lebt und arbeitet in Münster. Nach dem Abitur studierte er Politikwissenschaften und Journalistik und lebte einige Zeit in Australien, wo er für verschiedene deutsche und australische Zeitungen arbeitete.
Schreiben ist seine grosse Leidenschaft, und Krefting liebt es, seine vielfältigen Erlebnisse in spannende Geschichten zu giessen. Seine schriftstellerische Karriere begann der Autor 2013 und hat bisher 5 Bücher veröffentlicht.


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