21. November 2017

Lucinda Riley - die 7 Schwestern

Autorin: Lucinda Riley
Titel: Die sieben Schwestern


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442313945
Erschienen: 2015
Seiten: 577



Maia ist die älteste von sechs Schwestern, die alle von ihrem Vater adoptiert wurden, als sie sehr klein waren. Sie lebt als Einzige noch auf dem herrschaftlichen Anwesen ihres Vaters am Genfer See, denn anders als ihre Schwestern, die es drängte, draussen in der Welt ein ganz neues Leben als Erwachsene zu beginnen, fand die eher schüchterne Maia nicht den Mut, ihre vertraute Umgebung zu verlassen. Doch das ändert sich, als ihr Vater überraschend stirbt und ihr einen Umschlag hinterlässt - und sie plötzlich den Schlüssel zu ihrer bisher unbekannten Vorgeschichte in Händen hält: Sie wurde in Rio de Janeiro in einer alten Villa geboren, deren Adresse noch heute existiert. 

Maia fasst den Entschluss, nach Rio zu fliegen, und an der Seite von Floriano Quintelas, eines befreundeten Schriftstellers, beginnt sie, das Rätsel ihrer Herkunft zu ergründen. Dabei stösst sie auf eine tragische Liebesgeschichte in der Vergangenheit ihrer Familie, und sie taucht ein in das mondäne Paris der Jahrhundertwende, wo einst eine schöne junge Frau aus Rio einem französischen Bildhauer begegnete. Und erst jetzt fängt Maia an zu begreifen wer sie wirklich ist und was dies für ihr weiteres Leben bedeutet...




Emotionsgeladen, abwechslungsreich, eine wunderbare Mischung aus Vergangenheit und Heute, geschickt miteinander verwoben und trotz weniger Klischees sehr authentisch. Eine Reise nach Brasilien und Paris, die mich absolut begeistern konnte. 

Dieses Buch ist der Auftakt einer Serie von 7 Büchern (obwohl es nur 6 Schwestern sind, was wir bisher wissen). In Band 1 entführt uns die Autorin nach Rio de Janeiro und auf den Corcovado, den Hügel auf dem die Christusstatue steht. Dessen Erbauung ist ebenfalls Teil der Geschichte und nicht nur Fiktion, sondern auch mit einigen realen Fakten. Reine Fantasie ist hingegen das Anwesen am Genfersee, doch für mich als Schweizerin (wenn auch aus der Bodenseeregion und somit vom anderen Ende der Schweiz) ist es interessant als Schauplatz, da mein Land doch relativ selten als Schauplatz ausgewählt wird. 

Nachdem Padi von PadiLovesBooks und Anne von Goldschrift so von dieser Reihe und Autorin schwärmten, habe ich mich endlich an diese Bücher gewagt. Und ich kann gar nicht begreifen, warum ich damit so lange gewartet habe. Denn der Auftakt ist nicht nur grandios und vielversprechend, sondern das ganze Projekt nicht nur ambitioniert wie auch eine spektakuläre Idee. Ich kann kaum glauben, dass Lucinda Riley schon alle 7 Geschichten und die grosse alle Bücher überspannende Geschichte im Kopf hat! Mit vor Erstaunen weit geöffneten Augen und aufgeregt schlagendem Herzen freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Band, die nächste Schwester und vor allem... auf das grosse Finale.

Ihr Schreibstil ist wie immer zauberhaft. Es ist einfach toll wie sie es immer wieder schafft, mehrere so detailvolle, lieb geschriebene Einzelgeschichten so geschickt miteinander zu verbinden, dass es logisch und ungekünstelt wirkt. Natürlich gibt es die ein oder anderen Zufälle, die konstruiert sind, scheinbar zu perfekt für das reale Leben. Und trotzdem scheint der Verlauf der Geschichte nicht absehbar und langweilig. Eine weiteres Talent dieser Autorin ist die weiche Vermischung von Fiktion und Fakten. So sind Angaben zur Christusstatue, Paul Landowski (dem Bildhauer aus Paris) und Heitor da Silva (Architekt des Christo) sowie Margarida Lopes (damals bekannte Brasilianerin in der Pariser Kunstszene) nicht erfunden. Lucinda Riley war selbst in Rio, um das Ambiente einzufangen, um es später so erfolgreich zu beschreiben. Und dabei traf sie sogar auf eine Verwandte von Heitor da Silva, die sie in seine Tagebücher schauen lies. Echtes historisches Matieral also!

Aber auch die fiktiven Figuren sprühen vor Leben und so war mir Maia sofort sympathisch, wenn auch Isabela (die frühere Verwandte von ihr) noch ein Stück mehr. Wahrscheinlich habe ich sie mir äusserlich komplett vorgestellt, denn bei mir zeichnete sich ein mentales Bild einer schüchternen Frau mit hellbraunen glatten Haaren und unscheinbarem Kleiderstil, wenn sie doch Brasilianerin und gemäss Beschreibung leicht krauses Haar und definitv einen dunkleren Hauttyp besitzt. Aber das ist ja mein Fehler. Aus Neugier habe ich nach der Lektüre Margarida Lopes und Heitor da Silva gegoogelt, bei denen ich zumindest äusserlich schon nicht mehr so falsch lag. Die Beschreibungen von Lucinda treffen so genau zu, die Farben Brasiliens, aber auch das Paris der 20er Jahre entstehen im Kopfkino so ohne Mühe, dass ich komplett in eine andere Welt eintauchen konnte. 

Atmosphärisch geladen, ein mehrjähriges Projekt von Büchern, auf das ich jetzt schon gespannt bin (zurzeit ist Band 4 publiziert auf Deutsch) und eine Büchse der Pandora, wenn es um eine grosse Geschichte voller Geheimnisse und Schicksale geht.



5 von 5 Lese-Echsen





Bildergebnis für lucinda rileyLucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Bangkok. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben - und das mit sensationellem Erfolg. Seit ihrem gefeierten Debüt "das Orchideenhaus" stürmte jeder ihrer Romane die internationalen Bestsellerlisten. Sie lebt mit ihrer Familie in Norfolk im Osten Englands und in ihrem Haus in der Provence.



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