11. Dezember 2017

Mary Higgins Clark - Mein ist die Stunde der Nacht

Bildergebnis für mary higgins clark mein ist die stunde der nachtAutorin: Mary Higgins Clark
Titel: Mein ist die Stunde der Nacht


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453431522
Erschienen: 2005
Seiten: 432



Die Historikerin Jean Sheridan reist zu einem Ehemaligen-Treffen in ihre Heimatstadt, bei dem sie und sechs andere aus ihrem Jahrgang ausgezeichnet werden sollen. Überschattet wird das Treffen von der Nachricht, dass eine der sechs ein paar Tage zuvor tot in ihrem Pool aufgefunden wurde - die fünfte ihres Jahrgangs, die auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen ist. Bei der Preisverleihung schliesslich wird Jean Detective Sam Regan vorgestellt, der hartnäckig in einem Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Frau ermittelt. Gibt es eine Verbingung zwischen diesem Fall und dem Schicksal der toten Schulfreundin? Noch ahnt niemand, dass der Killer, der sich die "Eule" nennt, bei der Preisverleihung unter den Anwesenden ist und schon sein letztes Opfer auserkoren hat.



Ein Klassentreffen, das wohl niemand so leicht vergisst. Ein Klassentreffen, das wohl niemand so erleben möchte. Denn es gibt weitaus Schlimmeres als alte unbeliebte Fotos, Erinnerungen an Hänseleien, Treffen mit unbeliebten Lehrern und Mitschülern. Eine Geschichte, teilweise vorhersehbar, andererseits doch sehr spannend, atmosphärisch düster, aber dennoch mit einem Lichtstreifen am Horizont.

Der Schreibstil von Mary Higgins Clark gefiel mir schon bei anderen Büchern von ihr. Sie weiss, wie man den Leser mitreisst, Stimmung aufbauscht, Charaktere formt. Obwohl sie einige Klischees bedient und deutlich ihr Schema hat (beispielsweise sind ihre Hauptcharaktere meist nicht die Ärmsten, beruflich und/oder finanziell und bei den Opfern geht es immer irgendwie um Familienmitglieder, wenn auch nicht ausschliesslich), so konnte mich auch diese Geschichte wieder sehr gut unterhalten. In der Mitte gab es zwar einige Längen, was jedoch nicht an Langeweile lag, sondern am Aufbau der Geschichte, der doch etwas vorhersehbar war.

Dennoch, wenn man bedenkt, dass in diesem Roman der Leser den Killer schon kennt, konnte die Spannung erstaunlich lange gehalten werden. Ich meine, meist fiebert der Leser doch mit, um den Mörder in der Runde zu entdecken, ebenfalls zu rätseln, wer der Verräter ist und mit den Opfern mitfühlt, die sich in Gefahr wissen, jedoch nicht woher. Diesmal weiss der Leser von Anfang an, wer "die Eule" ist und kennt auch immer wieder Schritte von dieser Person. Die Spannung liegt darin, dass der Leser verfolgen kann, wie nah die Polizei, Jean und ihre Mitschüler sowie ein vorlauter Reporter der Schülerzeitung der Wahrheit und dem Täter kommen und doch nicht entdecken. Denn die Geschichte wird aus mehreren Sichten erzählt: Zum einen natürlich aus der Sicht von Jean, eine der letzten Schülerinnen ihrer Tischrunde (5 ihrer Schulfreundinnen starben über die letzten 20 Jahre, die sechste verschwindet beim Klassentreffen), Detective Sam, der Schülerreporter und "die Eule". Weitere Mitschüler spielen keine unbedeutende Rolle und können den Leser in Verwirrung bringen, mit all ihren Nebengeschichten, obwohl der Leser den Täter ja eigentlich kennt. 

Einige der Figuren waren mir sympathisch, andere überhaupt nicht. Ich mag, wenn das passiert, denn es ist irgendwie real. Im echten Leben mag man auch nicht jeden und allzu oft wird in Romanen der Bösewicht allzu unsympathisch und die Opfer allzu lieb dargestellt. Oder hat irgendwer mal mit dem Killer sympathisiert? Wohl eher selten der Fall. Was mich persönlich störte war die Wahl des Killers. Auch wenn mir andere Mitschüler ebenfalls verdächtig vorkamen und unsympathisch waren, so war der Mörder doch eine logische Wahl und dementsprechend verdächtig. Die Handlungen der Hauptperson Jean konnte ich teilweise nicht nachvollziehen, allerdings nur wenige Male.

Im Ganzen war der Roman spannend und unterhaltsam, was auch der Klappentext verspricht. Abgesehen von kleinen Längen in der Mitte und einigen kleinen Schwachpunkten und persönlichen Vorlieben, kann ich das Buch absolut nicht schlecht bewerten und empfehle es nicht nur Mary-Higgins-Clark-Fans. Die Autorin weiss einfach über Verbrechen zu schreiben. Und diesmal sterben nicht weniger als 9 Personen und weitere 3 werden entführt. Aber pssst... ich will ja nicht spoilern.



4 von 5 Lese-Echsen





Ähnliches FotoMary Higgins Clark, geboren 1928 in New York, wuchs in der Bronx auf. Ihr Vater starb, als sie kaum elf Jahre alt war. Die Mutter zog sie und ihre beiden Brüder allein gross. Nach der Highschool machte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und war drei Jahre in einer Werbeagentur tätig, bevor sie das Reisefieber packte und sie ab 1949 als Stewardess für PanAm arbeitete.
Ein Jahr später heiratete sie ihren Nachbarn Warren Clark. Kurz nach ihrer Hochzeit begann sie, Erzählungen zu schreiben. Sie verkaufte die erste im Jahr 1956 für 100 Dollar an eine Zeitschrift. Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes im Jahr 1964 verfasste sie bald ihr erstes Buch, einen biographischen Roman über George Washington. Sie schrieb immer morgens zwischen 5 und 7 Uhr, bevor die 5 Kinder zur Schule mussten. Der erste Kriminalroman "Wintersturm" (1975) bedeutete einen Wendepunkt in ihrem Leben und in ihrer Karriere: Er wurde Bestseller. Neben dem Schreiben studierte sie Philosophie und schloss 1979 ihr Studium mit Summa cum laude ab.

1966 heiratete sie nochmals und lebt heute in Saddle River, New Jersey.

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