10. Februar 2017

DIY - Candy monster (T-Rex)

Hey Leute,

Ihr glaubt, das war schon alles mit meinem neuen Blog? Ihr habt gar nicht mehr an die Überraschungen gedacht, die ich euch leise angekündigt habe? Ja dann aufgepasst. Neu findet ihr hier auch DIY-Projekte, Ideen für Buchliebhaber, Teetrinker und Kaffeefans, Cookie Monsters und Pantoffelhelden. Ab und zu verspüre ich dieses Kribbeln in den Fingern, das Verlangen nach Farbstiften und Sekundenkleber, Lust auf glänzenden Lack und Holzduft, Papierschnitte und Stoffverarbeitung. Manchmal möchte ich einfach selbst etwas kreieren und auf Pinterest und ähnlichen Seiten findet man mehr Inspiration als Zeit alles einmal auszuprobieren.

In dieser neuen Rubrik, für die ihr oben auch neu eine Seite findet mit allen Links und gesammelten Projekten, rufe ich euch zum gemeinsamen Basteln auf!

Heute: Das Candy Monster! In meinem Fall ein T-Rex.


Zum Lesen gehören Snacks, ob süss oder salzig. Bei mir sind es meist Kekse, Schokolade oder Popcorn. Und bei euch?

ABER: Ein Teller mit Keksen ist euch zu langweilig? Die Bonbons einfach in ein Glas stopfen, ist nicht originell genug? Dann bastelt euch ein Candy Monster - ein Tier, das dem Teller Höhe und Leben schenkt. Eine witzige Präsentation für Süssigkeiten und ganz schnell selbst gemacht.

Was braucht ihr dazu?

- kleinen, möglichst leichten Teller
- Gummitier
- Schere (oder Cutter)
- starker Kleber
- evtl. Farbe & Pinsel

Die Auswahl des Tieres:

Jeder hat sein Lieblingstier, aber nicht alle Tiere eignen sich als Keksteller. Am besten geeignet sind Tiere mit langem Oberkörper oder hohem Hals beziehungsweise Kopf, zum Beispiel Giraffen, sitzende Hasen oder Affen, verschiedenste Dinosaurier... aber eben kein Krokodil, keine Schlange, kein Insekt. Irgendwie logisch, oder? Damit euer Teller später einigermassen stabil ist, eignen sich besonders aufrecht sitzende Tiere oder Vierbeiner (oder stabile Zweibeiner). In meinem Fall ist der T-Rex zwar kein Musterbeispiel, verspricht allerdings trotz seiner Zweibeinigkeit ausreichend Stabilität dank seinem Schwanz als drittes Standbein. Solche Gummitiere erhält ihr übrigens in jedem Spielzeuggeschäft oder Kinderabteilung bei grösseren Händlern. Meist kosten sie auch nicht viel.

Tipps zum Teller:

Besonders falls ihr ein Candy Monster für einen Kindergeburtstag plant, könnten sich Teller aus Plastik oder Kunstoff besser eignen als aus Porzellan oder Glas. Nicht nur, weil diese Teller weniger bis kaum zerbrechlich sind, sondern auch wegen ihrem leichteren Gewicht, was wiederum der Stabilität zugute kommt.

Welcher Kleber?

Je nach eurer Materialauswahl, muss der Kleber Gummi und Porzellan oder Kunstoff zusammenhalten. Ein Papier-Klebestift wird euch also nicht viel helfen, eher der Super-Sekundenkleber, auch wenn dieser meist alles klebt, ausser der Sache, die es sollte. (Ja, wir kennen doch alle diese nervigen Klebereste an den Fingerkuppen). Ich habe den bekannten UHU-Kleber gewählt.

Womit fange ich an?

Zuallererst müsst ihr euer Tier halbieren. Das arme, liebe Tier muss ja später den Teller wie ein Sandwich einklemmen. Je nachdem, ob euer Gummitier innen hohl ist oder nicht, wird das Zerteilen einfacher oder komplizierter. Zum Glück sind die meisten Spielwarentiere innen hohl, was die Sache um einiges erleichtert. Wenn ihr euch sicher und erwachsen genug fühlt, greift zum Cutter. Wenn euch eine Schere besser in den Händen liegt, greift zur Schere. Vielleicht braucht ihr den Cutter oder ein Messer anfangs, um ein Loch in die Gummihaut zu kriegen, wo ihr die Schere danach reinstecken und rundherum schneiden könnt.


Das Wichtige beim Zerteilen ist, dass das Tier nicht genau in der Mitte im Bezug zur Körperlinie zerteilt werden sollte, sondern so in der Mitte, dass der Teller später möglichst waagerecht auf dem Unterteil liegt. Hält deswegen den Teller probeweise neben dem Tier an die Seite und macht euch eine Vorstellung vom gewünschten Resultat, bevor ihr los schneidet (oder immer mal wieder beim Schneiden). Ich habe meinen T-Rex mittig zerteilt, leicht diagonal zu den Beinen und musste korriegieren, damit er einigermassen waagerecht für den Telleraufsatz wurde.
Tipp: Habt ihr einmal zwei Hälften, ist es einfacher zu korrigieren und noch etwas nachzuschneiden, um den Teller möglichst horizontal auszubalancieren.


Teller und Dinosaurier zusammen setzen

Falls euer Tier innen hohl ist, empfehle ich zur Stabilität nun den Innenraum mit Papier oder Zeitung auszustopfen. Das gibt euch ausserdem mehr Klebefläche für den Teller.

Danach gebt ihr grosszügig Kleber auf die untere Hälfte des Tieres und drückt den Teller darauf, möglichst mittig oder gemäss der besten Stabilität. Je nach gewählten Kleber, drückt ihr den Teller leicht an und/oder wartet, bis der Kleber getrocknet ist. Dann könnt ihr das Gleiche mit der oberen Hälfte wiederholen: Papier in den Tierkopf stopfen, grosszügig Kleber drauf und auf den Teller setzen. Dabei müsst ihr nicht nur auf die Tellermitte achten, sondern auch darauf, dass der obere und untere Teil des Tieres optisch wieder ein Ganzes ergeben. Nicht, dass der Kopf plötzlich unnatürlich nach hinten schaut oder der Schwanz an der Stelle der Vorderfüsse ist.


Fertig?

Ist der Kleber vollständig getrocknet? Liegt der Teller stabil auf beziehungsweise "im" Tier? Ja, dann seid ihr fertig! Glückwunsch! Nun könnt ihr Kekse, Bonbons, Chips oder auf was immer ihr Lust habt, solange es nicht zu schwer für die Konstruktion ist, auf dem Teller anbieten.

Denkt aber daran, dass euer neues Candy Monster nicht Spülmaschinen-sicher ist. Ich habe es zwar nicht ausprobiert, würde es aber definitiv nicht empfehlen. Benässt ein Papiertuch oder einen Lappen und putzt damit den Teller, falls Kekskrümmel oder Chips-Fett zurückgeblieben sind. Haltet zum Stabilisieren eine Hand unter den Teller, wenn ihr mit dem Putzlappen von oben Druck gibt, damit euer schönes Bastelprojekt nicht wieder in drei Teile zerbricht.

Euer Candy Monster ist kein unkapputbares Spielzeug, aber immerhin ein Hingucker auf dem Tisch!


Zusatz-Idee:

Falls euch die Farbe eures Tieres nicht gefällt oder ihr euer Candy Monster dem Farbkonzept eurer Inneneinrichtung anpassen möchtet, könnt ihr das Ganze natürlich auch bemalen. Benutzt dafür die für die Materialien (Gummi, Porzellan, etc.) richtige Farbe, damit sie auch haften bleibt. Schaut darauf, dass sie wenn möglich ungiftig ist und sich nicht beim ersten Tropfen Wasser schon verflüchtigt.

Mir persönlich gefiel das Rot des T-Rex und liess es dabei. Ansonsten würde ich das Bemalen vor dem Zusammenkleben von Tier und Teller empfehlen. Ausser ihr wollt auch den Teller in derselben Farbe. In diesem Fall ist das Bemalen wohl nach dem Klebeprozess zu empfehlen.

Und nun wünsche ich viel Spass bei euren Projekten!
Wer macht mit? Welches Tier könnt ihr euch als Süssigkeiten-Teller-Highlight vorstellen?
Ich würde mich auf euer Feedback oder auch Fotos von euren Candy Monster sehr freuen.

Liebe Grüsse,
eure Lese-Echse Mona



5. Februar 2017

Katia Fox - Lieblos

Autorin: Katia Fox
Titel: Lieblos


Verlag: Amazon (E-Book)
ISBN: 978-3739369273
Erschienen: 2016
Seiten: 248




Es müsse einen Grund dafür geben, dass sie so lieblos mit sich umgehe, hatte er Isabelle gesagt... und dass er ihr helfen wolle, diesen herauszufinden.

Aix-en-Provence im Sommer

Isabelle scheint das perfekte Leben zu führen. Sie ist dünn, lebt im Luxus, liebt Louboutins und Marc. Doch als Geliebte eines verheirateten Mannes ist sie entsetzlich einsam und der Fressteufel ihr einziger Freund. Als sie den Olivenhain ihres Vaters erbt, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen. Briefe ihres Vaters, die sie in dem alten Haus findet, stellen alles in Frage, was sie bisher geglaubt hat, sogar die Liebe scheint im Mas de l'Adret auf sie zu warten...




Ehrlich gesagt, lässt der Roman mich mit gemischten Gefühlen zurück. Anfangs war die Geschichte eher langatmig, ja geradezu zäh. Ab der Mitte ging es plötzlich los und am Ende war es sogar richtig spannend. Das Thema, im Ganzen recht traurig, hinterliess ebenfalls einen bitteren Nachgeschmack.

Zuerst konnte ich mich nicht so recht in die Geschichte einfühlen, konnte mich nicht richtig konzentrieren und die Personen waren mir kaum sympathisch, einfach zu fade das Ganze. Isabelle wird eines regnerischen Tages auf dem gestressten Weg zur Uni in Paris von Marc aufgelesen und erobert. Er macht ihr teure Geschenke, lädt sie an schicke Orte ein und verführt sie mit den Vorzügen des Luxusleben. Schneller als sie es sich versieht, rutscht sie in die Rolle der Geliebten. Und diese Abhängigkeit bleibt bestehen. Tage wartet sie auf eine SMS, einen Anruf, irgendein Zeichen oder eine Einladung von Marc, nur für eine Nacht mit ihm, einige Stunden der Leidenschaft, Momente, in der sie sich wichtig fühlt. Doch diese Wichtigkeit ist nur Illusion, sie nur ein Spielzeug, die Liebe nur einseitig. Bis das Isabelle klar wird und sie sich das auch eingesteht, vergeht viel zu lange, Jahre...um genau zu sein, der Grossteil des Romanes.

Ich möchte ja nicht zu viel spoilern, doch glaube ich auch nicht, wenn ich zuviel vorweg nehme, wenn ich verrate, dass während dieser Zeit als Geliebte, Isabelle einige Freunde verliert, nicht den Job nach der Uni anstrebt, den sie ursprünglich geplant hatte. Hinzu kommen eigene Familienprobleme, die Geschichte mit ihrem Vater wie im Klappentext schon angedeutet wird. Diese Familiengeschichte ist es auch, die mich am meisten interessiert hatte, die ich gut ausgearbeitet, vernetzt und authentisch empfand. Der Teil mit Marc war zwar auch sehr authentisch (obwohl ich nicht von eigenen Erfahrungen sprechen kann), aber doch ein trauriges Kapitel in Isabelles Leben, das mich sogar manchmal mit Wut im Bauch lesen liess. Grosses Thema dabei ist auch Bulimie. Isabelle leidet unter Fressattacken, die anschaulicher wohl kaum beschrieben werden könnten. Wie die Autorin im Nachwort erklärt, las sie sich zur Recherche durch etliche Blogs und Foren, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen und gibt auch den Rat, wie man Personen mit Essstörungen helfen könnte.

Diese Themenwahl, die zweite Hälfte des Romanes und die sehr detailliert ausgearbeitete Figur von Isabelle begeisterten mich. Der langezogene Einstieg, bis endlich etwas passierte, das klischeehafte Bild der Luxuswelt, die Beziehung von Geliebten und reichem Mann mit Familie gaben jedoch Punkteabzug. Auch empfand ich den Preis, der ihr Vater für den Fehler in der Vergangenheit zahlte, nicht nur viel zu hoch, sondern auch nicht ganz glaubwürdig. Ich hätte nicht über so viele Jahre gleich gehandelt. Wer sich selber ein Bild davon machen möchte, muss die Geschichte lesen. Auch das Ende der Geschichte fand ich zu schnell zu perfekt. Für mich hätte es nicht so viele Kirschen auf der Sahneglasur der Torte gebraucht. Aber ich bin kein Fan von übertriebenem Happy End, oder eben nur wenn es die Geschichte zulässt und nicht auf Brechen alle glücklich und zufrieden sein müssen als wäre nie etwas gewesen. Das finde ich zu kitschig und nicht lebensecht.

Der Schreibstil liest sich fliessend und angenehm. Die Beschreibungen zeugen von eigener Erfahrung, was sich mit Fotos auf der Website der Autorin bestätigt: Sie selbst liebt die Provence, Olivenhaine und Doggen. Ein Teil der Geschichte spielt in Paris, der andere Teil in Aix-en-Provence und der Autorin gelang es, der pulsierenden Grossstadt wie auch dem lavendel-duftenden Land in Südfrankreich Leben und Farbe einzuhauchen. Die Geschichte wird dazu in Phasen erzählt, zum einen im Jetzt (Aix-en-Provence im Sommer, über wenige Monate) und in Jahresabständen in der Vergangenheit, sozusagen Rückblenden über die Geschichte von Isabelle und Marc. 

Wer also Frankreich, Louboutins und ein Haus in der Provence liebt, fühlt sich in dem Roman ganz zu Hause. Wer sich für das Thema Bulimie und die Einsamkeit betroffener Personen interessiert, wird hier ebenfalls fündig. Für mich war es etwas Neues, im Sinne, dass ich die Autorin noch nicht kannte, aber auch durch den Themeninhalt, der nicht unbedingt in meine Lieblingsgenre passt. Aber es hat mich gut unterhalten, nach dem etwas holprigen Einstieg.




3,5 von 5 Lese-Echsen




Katia FoxKatia Fox, geboren 1964, wuchs in Südfrankreich und in der Nähe von Frankfurt auf. Nach dem Studium der Romanistik und einem Abschluss als Dolmetscherin/Übersetzerin begann die Mutter von drei Kindern mit der intensiven Recherche zum englischen Mittelalter. Aus dieser Leidenschaft entstanden bisher vier historische Romane, davon wurde einer in mehrere Sprachen übersetzt und erschien u.a. in den USA, England, Spanien und Russland.
Mehr auf: Katia Fox

3. Februar 2017

Luis Sellano - Portugiesisches Erbe

Bildergebnis für luis sellano lissabon-krimi
Autor: Luis Sellano
Titel: Portugiesisches Erbe


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453419445
Erschienen: 2016
Seiten: 368



Henrik Falkner weiss kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird. 



Schon das Cover zog mich magisch an - ein gelbes Electrico, an einer bekannten Ecke in Lissabon, einer meiner liebsten Städte. Schnell den Klappentext gelesen, der nicht nur einen Krimi, sondern auch eine verzwickte Familiengeschichte, Geheimnisse und Spannung versprach, schon war das Buch fest in meinen Händen. Bei der Lektüre ging es mir dann ähnlich: Einmal angefangen, konnte ich es nicht mehr aus den Fingern lassen, blätterte weiter bis zum Schluss und war traurig, dass es so schnell zu Ende war. Aber es gibt Hoffnung! Band 2 (Portugiesische Rache) steht schon auf meinem Merkzettel. 

Gleich mit dem ersten Satz wird man in die Geschichte gesogen, einige Seiten weiter, schon wandert man durch die Hauptstadt Portugals. Der wortspielreiche Schreibstil des Autors zeichnet schnell und gekonnt ein Bild von Lissabon, entführt in die enge Gasse des Antiquitätenladens voller KrimsKrams und seiner vielseitigen Bewohner und zeigt, dass auch der Autor der Stadt eindeutig verfallen ist und sie gut kennt. Obwohl viele touristische Plätze vorkommen, sind auch einige weniger bekanntere Strassenecken im Roman, die ich als Lissabon-Kenner dennoch mit grosser Freude wieder entdecke. Für alle anderen gibt es eine anschauliche Karte auf der Innenseite des Buchdeckels mit den wichtigsten Handlungsorten der Geschichten schon eingetragen. Solche kleinen Extras finde ich persönlich immer ein grosses Plus, auch weil ich Karten generell sehr mag.

Der Aufbau der Geschichte ist rasant. Kaum ist man angekommen, trifft man auf die ersten komischen Gestalten, schon passiert ein Unfall, der nicht ganz zufällig scheint, weitere Figuren tauchen auf und der Strudel an Geschehnissen saugt Henrik und den Leser immer tiefer in das Erbe seines Onkels. Wie Tom Hanks in der Verfilmung der Dan-Brown-Bücher, jagt der Hauptprotagonist von einem Hinweis zum nächsten, folgt mehr oder weniger freiwillig der heissen Spur und verwickelt sich immer mehr, sodass er natürlich auch selbst in Gefahr gerät (bzw. schon seit Ankunft auf der Zielscheibe einiger Personen war). So wird es auch kaum langweilig, weil immer wieder neue Wendungen der Geschichte neuen Anschub geben, neue Nebengeschichten oder grausige Details offenlegen oder Vorahnungen des Lesers neu kontextualisiert. 

Einzig an den Personen selbst hätte der Autor vielleicht noch feilen können. Trotz der Arbeit und Liebe, die er in seine Figuren  sicherlich steckte, zeigen mir einige Protagonisten doch zu viel Klischees leider. Der bunte Haufen Mitbewohner bzw. Untermieter, die Henrik in dem Gebäude des Antiquitätenladens antrifft, ist nicht nur höchst interessant gemischt, sondern vor allem ein wilder Mix aus komischen alten Kauz, künstlerischer Verschwiegenen, einer indischen Immigrantenfamilie und einem leicht reizbaren Hippie. Was nach Würze klingt, verpufft leider schnell, aber vielleicht kommen die ja nochmal auf den Plan. Weitere Nebenfiguren, wie beispielsweise die Handlanger von Henriks Gegnern, bleiben meist zweidimensional. Die Frauen, die Henrik auf seiner Suche nach Wahrheit und Vergangenheit antrifft, haben einige mir unnachvollziehbare Reaktionen, wie auch Henrik selbst. Soll er nicht ehemaliger Polizist sein? Wo hat er denn seine Instinkte gelassen, Praktiken aus seiner Polizeiausbildung? Manchmal läuft er mir zu naiv in die nächste Falle, als dass es authentisch wirkt. Auch werden die Zufälle irgendwann zu viele. Doch solange es dennoch spannend bleibt, sehe ich gerne über solche Kunstfehler hinweg. Schlecht unterhalten fühlte ich mich zumindest nie.




4,5 von 5 Lese-Echsen




Ähnliches FotoLuis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Auch wenn Stockfisch bislang nicht als seine Leibspeise gilt, liebt Sellano Pastéis de Nata (Anm. = portugiesische Vanilletörtchen) und den Vinho Verde umso mehr. Schon sein erster Besuch in Lissabon entfacht seine grosse Liebe für die Stadt am Tejo. Luis Sellano lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Regelmässig zieht es ihn auf die geliebte Iberische Halbinsel, um Land und Leute zu geniessen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. 



1. Februar 2017

Anna Levin - das Lied der Sturmvögel

Autorin: Anna Levin
Titel: Das Lied der Sturmvögel

Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442380978
Erschienen: 2015
Seiten: 385



Man sieht nur mit dem Herzen gut...

Die Journalistin Lisa Freiberg führt in Berlin ein aufregendes Leben. Doch als ihre beste Freundin stirbt, fällt ihre Welt in sich zusammen. Völlig verzweifelt flieht sie in die Ferne. In der farbenprächtigen Natur Madeiras hofft sie, ihren Frieden wiederzufinden. 

Eines Tages begegnet sie auf einer ihrer Wanderungen einem alten Mann, der einsam am Fusse der Berge lebt und malt. Hermigo ist blind, doch dank seines fotografischen Gedächtnisses kann er seine Erinnerungen wieder zum Leben erwecken. Mit ihm taucht Lisa in seine tragische Vergangenheit ein und findet dabei den ihr vorbestimmten Weg - und die Liebe.



Nachdem ich "das Korallenhaus" dieser Autorin schon sehr mochte, kam ich an diesem Roman nicht vorbei. Denn die Geschichte spielt dazu noch auf Madeira, einer portugiesischen Insel und ich liebe Portugal. Die Hauptprotagonistin packte mich schnell mit in ihren Koffer voller Emotionen, um Luft zu schnappen und einmal in Ruhe aufs Meer zu blicken. Nur um Hermigo und einer neuen Bekanntschaft zu begegnen.

Anna Levins Erzählstimme konnte mich wieder leicht entführen, wenige Seiten und ich war schon in der Welt gefangen, wo die Geschichte spielt. Eine gute Balance aus Dialog und Beschreibung lassen die Szenen wunderbar lebensecht erleben, Orte erwecken zum Leben, gewinnen an Farbe, ja manchmal sogar Düfte. Ich selbst hatte die Freude noch nicht, Madeira selbst zu erkunden, auch wenn ich schon andere Regionen in Portugal kenne. Doch dieser Roman hat mir nicht nur neuen Appetit geschenkt, sondern im Voraus bestätigt, wie schön dort wohl die Natur sein muss.

Im Fokus der Geschichte stehen - neben Lisa und Hermigo - auch die Sturmvögel. Diese Spezies gibt es tatsächlich nur auf Madeira und ist nicht nur durch das portugiesische Recht geschützt, sondern steht auch auf der Roten Liste der IUCN als sehr gefährdet. Die Autorin selbst gibt im Anhang des Romanes einige Informationen und Recherche-Listen zu dieser Vogelart. Ein anderer wahrer Teil des Romanes ist ein Waldbrand, der auf Madeira tatsächlich im Jahre 2010 wütete und ein grosses Stück Flora zerstörte. Auch dazu gibt die Autorin weitere Auskünfte im Anhang der Geschichte, was ich nicht nur interessant, sondern auch sympathisch fand. 

Hermigos Krankheit, die zu seiner Blindheit führte, ist ebenfalls eines der grossen Themen (und wird ebenfalls im Anhang mit Recherche-Angaben für Interessierte aufgeführt). Dass und wie komplett Erblindete malen können, war mir neu bzw. habe ich mir nie genau Gedanken dazu gemacht. Es war jedoch äusserts spannend zu lesen, wie Hermigos andere Sinne geschärft wurden, wie er zum Malen kam und welche Kleinigkeiten für ihn eine grosse Rolle spielen, die für uns fast unsichtbar im Alltag werden. Noch spannender war aber auch seine Vergangenheit, der Lisa wie eine Detektivin auf die Spur kommt, nachdem ihre Neugier sie nicht ruhen liess. 

Die Kirsche auf der Sahnetorte ist wohl die neue Bekanntschaft, die Lisa durch Hermigo macht und in Verbindung mit den Sturmvögeln steht: Filipe. Der Portugiese hilft ihr nicht nur mit der Trauer über den Tod ihrer besten Freundin und dem Druck ihres Jobs in Deutschland, sondern entführt sie in die bezaubernde Natur der Insel, infiziert sie mit seiner Faszination für die Vögel und hilft ihr bei der Informationssuche zu Hermigos Vergangenheit. Viel mehr als diese drei Hauptcharakteren kommen in den Roman auch nicht vor und benötigt die Geschichte auch nicht. Wenige Nebenfiguren tauchen auf, leisten ihren Beitrag, aber drängen nicht in den Vordergrund. Trotzdem passiert so viel auf so vielen Ebenen, was mich absolut gefangen nahm.

Einzige Kritik betrifft das Cover. Obwohl ich es sehr ansprechend finde und die Parallelen zu ihren anderen Büchern durchaus sehe, war mir die Muschel in der oberen Ecke ein kleiner Dorn im Auge. "Das Korallenhaus" zeigt eine Koralle in der oberen Ecke, die auch spürbar ausgestanzt ist. Diesen Roman habe ich als E-Book gelesen, weswegen ich das Anfassen nicht beurteilen kann. Aber die Muschel bleibt fraglich, da es in der ganzen Zeit weder um Muscheln oder im Entfernten um das Meer geht. Sondern über die Insel, die Vögel, ein blinder älterer Herr und eine Liebesgeschichte. Ein sehr schönes Dekor, leider aber nicht im Zusammenhang mit dem Roman.



4,5 von 5 Lese-Echsen



Anna Levin alias Iris Klockmann ist eine Geschichtenerzählerin.

Als kleines Mädchen unterhielt sie ihre Familie mit kindlichen Abenteuern und konnte es kaum erwarten, endlich selbst lesen und schreiben zu können. Mit sieben verschlang sie so viele Bücher, dass sie ihre Eltern schier zur Verzweiflung brachte.

Doch erst viel später, sie hatte längst selbst Kinder, fand sie Raum und Zeit, um ihre unzähligen Ideen aufzuschreiben. Sehr zur Freude ihrer Töchter, denn so gingen die ausgedachten Gutenachtgeschichten nicht verloren.

Bildergebnis für das lied der sturmvögelSeit gut zehn Jahren veröffentlicht die erfolgreiche Schriftstellerin zeitgenössische und historische Romane. Zwei ihrer Kurzgeschichten erschienen bereits in den USA bei Dover Publications, New York. 

Ein Interview mit  Anna Levin *KLICK*