6. September 2018

Katharina Herzog - Zwischen dir und mir das Meer

Autorin: Katharina Herzog
Titel: Zwischen dir und mir das Meer



Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783644403529
Erschienen: 2018
Seiten: 352




Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limoncello daraus!

Lena führt ein zurückgezogenes Leben auf Amrum. Sie sammelt Meerglas am Strand, das sie zu Schmuck verarbeitet. Damit möchte sie sich etwas von dem zurückholen, was ihr die See einst genommen hat: Vor fast 20 Jahren ist Lenas Mutter, eine gebürtige Italienerin, morgens zum Schwimmen gegangen und nie zurückgekehrt.

Als Lena eines Tages auf dem Heimweg den Italiener Matteo trifft, knistert es überraschend heftig zwischen den beiden. Aber am nächsten Morgen ist Matteo ohne ein Wort des Abschieds fort. Er hat eine Mappe zurückgelassen, in der Lena Fotos ihrer Mutter Mariella als junge Frau findet: so strahlend, wie Lena sie nie erlebt hat. Zusammen mit ihrer Schwester Zoe reists Lena an die Amalfiküste, um etwas über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren - und um Matteo, den Mann mit den meergründne Augen, wiederzusehen...




Erster Eindruck: Cover, super schön und sommerlich. Zweiter Eindruck, gelesen: ganz nett, aber nichts Besonderes, ganz ehrlich.

Es ist einer dieser typischen Frauen-Sommerromane, eine Liebesgeschichte, ein wenig Familiengeschichte, eine sommerliche Bühne - in diesem Fall Italien, ebenfalls ein Klassiker - eine Frucht, Blumen, Mädchenträume und Blablabla. Es enttäuscht mich immer wieder ein wenig, schöne Covers zu sehen, mit Klappentexten, die eigentlich Potential haben, nur um dann in einem Massenproduktion-Frauenroman zu enden, der sich nicht wirklich von all den anderen abhebt. Der Schreibstil ist nett. Die Figuren sind nett. Die Location ist nett. Die Erzählung ist irgendwie nett. Aber das ist es eben: nett, nicht mehr, nicht weniger.

Der Roman hat mich unterhalten. Ich möchte  ihn nicht schlecht reden, das war es wirklich nicht. Was mir jedoch an solchen Romanen immer fehlt, ist der gewisse Pfiff. Zu viele Stereotype und repetitive Plots. Wenn es nicht der Apfelplücker ist, dann eben der Zitronenbauer. Ist es nicht die beste Freundin, Cousine oder Schwester, dann eben eine neue Nachbarin. Und immer taucht da dieser ach so gut aussehende Fremde auf, in den sich die weibliche Hauptfigur, die anfangs immer etwas zu streng, langweilig oder konservativ wirkt und in einer festen Beziehung oder jahrelang Single ist, sich Hals über Kopf und gegen all ihre Moralregeln verliebt, alles über Bord wirft und ihm hinterher hechelt, obwohl sie selber immer Zweifel hat, dass so ein gutaussehender Kerl, der jede haben könnte und vielleicht schon hatte, sich gerade in sie graue Maus vergucken könnte. Und tadaaa, das passiert in ungefähr 95 Prozent der Fälle. Auch wenn die Liebesgeschichte ganz reizend war und an vielen Stellen authenthisch. So war sie doch auch an vielen Stellen wenig überraschend, geladen von Stereotypen und Ping-Pong-Hin-und-Her wegen Missverständnissen oder Familiendiskussionen und doch kommen sie schlussendlich zusammen. Eine Art Disney-Prinzessin-Geschichte für erwachsen gewordene Frauen.

In diesem Fall mochte ich besonders Zoe, obwohl auch sie nicht ohne Stereotyp-Charaktere und Hintergründe erschaffen wurde und häufig übertrieben dargestellt wurde, fand ich sie am spannendsten und mitreissendsten. Auch die deutsche Oma der beiden hatte mehr Pfeffer als andere Figuren. Sowie auch die verstorbene Mutter, die irgendwie im Mittelpunkt steht und doch nicht dabei ist. Besonders gelungen fand ich die Dialoge. Sie waren weder langweilig noch langatmig und waren in ihrem Kontext angemessen. Einige Zufälle und Geschehnisse allerdings, waren mir schlicht nicht real genug. Dass der Italiener auf eine kleine Norddeutsche Insel schippert, grusslos abreist und eine Mappe mit alten Fotos da lässt, funktioniert für - ja, beginnt - die ganze Geschichte, doch im wahren Leben würde er wohl kaum den einzigen physischen Grund für seine Reise dort liegen lassen, wo er nach Antworten suchte. Sorry, das kauf ich nicht ab.

Sehr interessant, meiner Meinung nach sogar besser, war die Geschichte in der Vergangenheit. Das Ganze wird in zwei Zeitabschnitten abwechselnd erzählt: das Heute mit den Schwestern Lena und Zoe mit Matteo. Das Damals mit ihrer Mutter als junge Erwachsene und ihrer besten damaligen Freundin. Die Vergangenheit hatte so viel mehr zu bieten, war spannender, mitreissender erzählt und authentischer. Ausserdem hatte es eine kleine Überraschung und ein grosser Plot Twist, der mich noch mehr ungehauen hätte, hätte die Autorin diesen Punkt noch ausgebaut. Aber es schien, sie wollte das nicht wagen. Vielleicht hätte die Geschichte damit auch eine neue Richtung oder Farbe angenommen. Trotzdem schade, denn DAMIT wäre dieser Sommerroman sicher auch der Masse abgehoben.

Unterm Strich war es angenehm und unterhaltsam, jedoch nichts Neues. Eine leichte Lektüre für den Garten, Balkon oder Sofa, in der einen Hand ein Glas Eistee, in der anderen das Buch und Tagträume über Italien und eine sommerliche Liebe.




3 von 5 Lese-Echsen




Katharina HerzogKatharina Herzog hatte schon immer Spass daran, sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Nach einem Abstsecher in den Journalismus kehrte sie zur warhen Liebe Belletristik zurück und begann, Romane zu veröffentlichen. Als E-Book-Autorin hat sie sich unter dem Namen Katrin Koppold bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben. 
Sie ebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.



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